Montag, 30. März 2026

Demokratie 2.0

Wir leben in Deutschland ja in einer Demokratie. Eine Form, bei der sich Meinungen auf der Grundlage von Mehrheiten bilden und dann entwickelt oder umgesetzt werden. Das hat bei nicht wenigen Gelegenheiten auch negative Auswirkungen, aber im Grunde kennen wir derzeit kein anderes System, das aus menschlicher Sicht besser zu sein scheint.

Demokratie 2.0

Wie funktioniert das? Jedes Individuum bildet sich seine Meinung, die Meinungen einer gewissen Fraktion werden gesammelt und über einen geeigneten Mechanismus in eine Entscheidung überführt. Dieser Mechanismus ist dabei aber kein neutraler Sammler oder eine reine Statistik, sondern ist selbst ein lebendiger Apparat.

Insofern hat dieser Vorgang auch dynamische Komponenten und besitzt weitere Beeinflussungsfaktoren. Sei es, dass ein Politiker auch seine eigene Sicht einbringt, dass eine Partei den Willen der Wähler im Sinne eines Programmes interpretiert oder schlichtweg aus taktischen Gründen priorisiert. Und auch die Einflussnahme auf die Wähler spielt eine Rolle, Wahlkampf, Werbung, Darstellung und rhetorisches Geschick verzerren von Natur aus das neutrale Bild, das sich die Bürger im Vorfeld gemacht haben.

Schließlich noch Kollektiveffekte, aktuelle Diskussionen und Modethemen. Über die Zeit kann man den Aufstieg mancher Parteien erleben, begleitet vom Niedergang anderer Parteien. In vielen Fällen hat das etwas mit dem Zeitgeist zu tun, mit Haltungen, die sich in der Gesellschaft aktuell niederschlagen. Mit dem Erstarken der Friedensbewegung und dem Trend zu mehr Natur war beispielsweise der Boden für die Grünen geebnet.

Und spätestens an dieser Stelle kommt die Komplexität einer Gesellschaft ins Spiel. Die Beobachtung von Mitmenschen, die Gespräche mit Freunden, der Kontakt mit Nachbarn und nicht zuletzt die Schwerpunkte von Medienberichten. All das hängt miteinander zusammen, verstärkt nur angedeutete Veränderungen bis zu einer Massenbewegung - denken wir nur an „Fridays for future“.

Der Grundgedanke, dass eine Lösung nach Mehrheitsentscheid optimal ist, muss sich hier gegen Beeinflussung und Mitnahmeeffekte wehren. Wie stark ist ein Thema emotional untermauert und erreicht so eine große Anhängerschaft, die vermeintlich unabhängig voneinander, eigentlich aber mehr im Sinne einer einzigen lauten Stimme agiert.

Es ist aus meiner Sicht keine Option, auf die Beteiligung aller Betroffenen zu verzichten. Das ist weder im sozialen noch im menschlichen Sinne sinnvoll. Allerdings wäre es ein interessanter Ansatz, die Wahlergebnisse intelligent aufzubereiten. Mit hierzu trainierten (KI-) Modellen könnte man die Mitnahme herausrechnen, durch geschickte Fragen das Nachplappern eliminieren und Gewohnheiten unberücksichtigt lassen.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob unsere traditionelle Wahl von Parteien der richtige Weg ist. Wenn ich vor dem Gang zur Urne den Wahl-o-mat befrage und dann die Vertretung mit der höchstmöglichen Überdeckung ankreuze: Warum lassen wir nicht auf der Basis des Wahl-o-mat ein Programm für die nächste Legislaturperiode erstellen und setzen sie dann mit geeigneten Menschen um?

Das kann man dann technisch noch weitertreiben, Indikatoren für die Zielerreichung definieren und kontrollieren, durch Hinzunahme von Randbedingungen aber auch Zielanpassungen vornehmen. Hier denke ich an Agilität, ein Verfahren, das sich in der Handhabung volatiler und komplexer Systeme bewährt hat. Lösungen ableiten, ausprobieren und nach kurzen Zeitspannen bedarfsweise anpassen ist die Grundidee, die im technischen Umfeld schon seit geraumer Zeit langlaufende Großprojekte (analog Programmen für eine mehrjährige Legislaturperiode) abgelöst hat.

Dieser Ansatz ist viel reaktionsschneller, weniger von Entscheidungen einzelner Politiker abhängig und kann mit den modernen Möglichkeiten wie Apps einerseits und KI andererseits problemlos implementiert werden. Denn zweifellos dreht sich unsere moderne Industriewelt immer schneller, dem müssen wir Rechnung tragen und etablierte Abläufe und unser Demokratieverständnis weiterentwickeln.

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Montag, 23. März 2026

Automatik, Automatik

Ich finde Automatik ist was Feines. Im Idealfall macht eine Automatik das, was ein Mensch auch machen würde, aber ohne sein Zutun. Ich komme in einen dunklen Raum, schon geht die Beleuchtung an, einen Lichtschalter muss ich nicht betätigen. Und wenn ich dann später den Raum verlasse, muss ich auch nichts drücken, die Automatik erkennt, dass ich den Raum verlasse und schaltet das Licht wieder aus.

Automatik, Automatik

Soweit die Theorie. Der erste Schaltvorgang ist meist recht zuverlässig, ein Bewegungsmelder erfasst meine Ankunft und schließt den Stromkreis. Dann bin ich im Raum, und schon gerät der Automat in Schwierigkeiten. Mangels Bewegung vermutet er, dass ich gar nicht mehr da bin. Wenn ich lesend oder in ruhiger Bildschirmarbeit im Zimmer bin, geht das Licht zwischendurch aus. Und wenn ich dann irgendwann aus dem Raum hinausgehe bleibt das Licht sicherheitshalber noch mal eine Weile eingeschaltet.

Gewiss, es ist ein Komfortgewinn und eine gewissen Bequemlichkeit. In gewisser Weise auch ein Sicherheitsmerkmal, denn ich kann nicht vergessen, das Licht auszuschalten. Aber weder kann ich verhindern, dass das System zwischendurch unerwünscht arbeitet (Licht ausschaltet), noch ist mit dem vorhandenen Bewegungsmelder ein möglichst kurzer Nachlauf zu realisieren.

Automatiken gleich welcher Art haben also ihre Tücken. Sei es die Klimaanlage, die angesichts einer (aus ihrer Sicht) geöffneten Tür den Dienst verweigert, sei es ein elektrisches Oberlicht, das bei Sonnenschein nicht aufgehen will. Das liegt mal an einer ungeschickten Programmierung, mal an fehlendem (weiteren) Sensor, mal an Störungen in der Signalübertragung. Oft lässt sich der Verursacher des unerwünschten Verhaltens gar nicht identifizieren, man kann nur feststellen, dass etwas nicht so funktioniert, wie man es erwartet oder in diesem Moment selbst machen würde.

Vor diesem Hintergrund ist es beunruhigend, wie viele unterschiedliche Helferlein in einem modernen Auto verbaut sind. Nicht allein die ganzen Sensoren im Motor, die Drücke und Füllstände kontrollieren, nein, auch die Fühler für Helligkeit, Feuchtigkeit, Reifendruck, Geschwindigkeit, Bremsdruck und so weiter spielen eine Rolle im komplizierten Management des Fahrzeugs. Und manche davon arbeiten ähnlich wie der Lichtschalter - mal gut, mal schlecht. Und spätestens, wenn einer der zahlreichen Messfühler kein Signal liefert, wird der Betrieb gestört oder leitet für den Fahrzeugführer überraschende Maßnahmen ein.

Das Beste, habe ich früher gesagt, das Beste an einer Automatik ist der Knopf zum Abschalten. Ein Lichtschalter, mit dem ich das Licht dauerhaft einschalten kann oder auch beim Verlassen des Zimmers die Beleuchtung wieder ausschalte. Vielleicht sogar ausgeschaltet lasse, weil es für meine Zwecke noch hell genug ist. Das erzwingt zwar bei mir eine gewisse Disziplin, aber die Verantwortung übernehme ich gerne, wenn ich nur Herr der Lage bleibe und nicht von einer Technik bevormundet werde.

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Montag, 16. März 2026

Lebensmanagement

Früher nannte man es Philosophie, da gab es einen Studiengang, der von bedächtig wirkenden Personen belegt wurde. Meist schrieben sich diese Menschen irgendwann nach dem Abitur ein, besuchten Vorlesungen, Seminare, Diskussionsrunden und so weiter. Nur der Abschluss ließ auf sich warten, in diesem Fach traf man die meisten Ewigstudenten.

Wer mit Philosophen spricht oder deren Texte liest, der muss sich auf harte Kost einstellen. Wenig verständlich leben sie in einer eigenen Welt, beschäftigen sich mit Themen, die den meisten Normalsterblichen fremd sind und drücken sich so kompliziert aus, dass selbst geistig rege Gesprächspartner ihnen nicht folgen können. Aber das scheint auch gar nicht ihr Antritt zu sein. Sätze über eine ganze Seite, Verschachtelungen und Verweise auf andere Philosophen oder die eigenen Texte in anderem Kontext machen die Veröffentlichungen zu einem Labyrinth.

Lebensmanagement

Heraus kommen komplizierte Gedanken, die sich kaum im Alltag umsetzen lassen. Das Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung der Menschen in der Welt endet in ausgesprochen abstrakten Überlegungen. Wer klare Antworten erwartet oder gar Handlungsempfehlungen ableiten möchte, wird im Wesentlichen enttäuscht.

Aber vielleicht ist es ja auch eine aussterbende Wissenschaft. Abgelöst in der heutigen Welt durch eine Form von Management, konkret von Lebensmanagement. Einen separaten Studiengang hierzu gibt es nicht, aber ich stelle mir vor, dass dort sehr anwendungsbezogen geforscht würde. Mit den einfachen Worten auf dem Niveau der Bildzeitung könnten Fälle beschrieben, Diskussionen im RTL-Format übertragen und Erkenntnisse evaluiert würden.

Schnell würde man eine eigene Plattform ins Leben rufen, orientiert an Tiktok die neuesten Reels zu Erwartungsmanagement posten oder sich mit dem Thema Enttäuschungsmanagement beschäftigen. Alles kostenlos, niedrigschwellig, leichtverdaulich. Voraussetzung ist kein Studium, sondern nur ein Handy mit Kamera und der innere Auftrag, seinen Mitmenschen die Annehmlichkeiten des eigenen Lebens nahezubringen.

Was so oder so auf der Strecke bleibt: Die Antwort nach dem Sinn des Lebens. Ob nun eine verklausulierte Nicht-Antwort oder eine poppig-bunte Ausweich-Antwort: Auf der Suche nach meinem persönlichen Weg werde ich alleine gelassen. Kein Wunder also, dass viele verunsicherte Konsumenten orientierungslos in Scharen mal diesem, mal jenem Trend und Influenzer hinterherlaufen. Wo das Ziel nur verschwommen zu erkennen ist, ist leider auch viel Platz für Verführung.

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Montag, 9. März 2026

Die Suche nach der Pause-Taste

Gott sei Dank gibt es in Deutschland deutlich unterschiedliche Jahreszeiten. Während man im Sommer wundervoll auf dem Gartenstuhl sitzen kann, aber leider auch wöchentlich den Rasen mähen muss, hat man im Winter Aktionspause und kann von der Couch aus den zur Ruhe gekommenen Garten betrachten. Doch im Frühjahr geht es dann wieder los, die Knospen brechen auf, altes Holz muss zurückgeschnitten werden, man muss wieder in die Gartensaison starten.

So geht es immer weiter. Man kann nicht Unkraut jäten, Blüten ausputzen, Rasen mähen und dann auf die Pause-Taste drücken. So soll der Garten bleiben, mindestens bis zum Herbst, am besten für den Rest meines Lebens. Anhalten der Vegetation im perfekten Moment. Kein Wachstum, kein Wuchern, kein Unkraut, keine Notwendigkeit zum Gießen oder gar zur Renovierung von Pflanzkübeln und Wegen.

Natürlich auch in der Partnerschaft. Die blühende Schönheit junger Leute, die wilde Leidenschaft der Flitterwochen, die Neugierde aufeinander, der ungestüme Wunsch nach Zweisamkeit und gemeinsamer Gestaltung. Das alles einfach einfrieren, im Optimum anhalten und für Jahrzehnte konservieren. Dazu im Beruf die aufregenden Erfahrungen der Probezeit, das Willkommen der Kollegen, spannende neue Aufgaben und jeden Tag Impulse zur weiteren Entwicklung.

Die Suche nach der Pause-Taste
Plopp. Das gibt es nicht. Es gibt keine Pause-Taste. Und das heißt auch, dass man entweder immer Aufwand hineinstecken muss - vielleicht mit kleinen Pausen wie der Saisonunterbrechung im Garten - oder dass alles verlottert und unattraktiver wird. Von alleine passiert da nichts, weder bei der Gartenpflege noch in der Partnerschaft, noch im (beruflichen) Alltag.

Die fatale, vielleicht sogar frustrierende Erkenntnis: Allein zur Beibehaltung des Status Quo braucht man Energie. Und wenn man mehr will, dann ist das ein mühsames Geschäft. Aber andererseits ist es der Schlüssel zum Glück, sei es bei der Freude über den immer attraktiveren Garten, eine langfristig tolle Partnerschaft oder eine zufriedenmachende Arbeit.

Was dann auch die - nur auf den ersten Blick banale - Kernbotschaft ist. Menschen sehnen sich nach Glück, unterliegen aber oft der Fehleinschätzung, dass dieses zu ihnen käme. Oder bleibt, wenn es erst mal da ist. Durchaus falsch, Glück kommt nicht von außen (der Gewinn von Geld zum Beispiel im Lotto macht nicht wirklich glücklich), sondern ist das Ergebnis einer mehr oder weniger gezielten Anstrengung. Und es bleibt auch nicht einfach so.

In etwas modifizierter Form kann man diese Gedanken auch bei Eckart von Hirschhausen (Buch: "Glück kommt selten allein") nachlesen. Er entlarvt in humoristischen Formulierungen die gedanklichen Fehler und falschen Annahmen rund um das Erreichen von Glück.

Deutlicher kann man festhalten, dass Bequemlichkeit oder gar Faulheit in die falsche Richtung zeigen, im philosophischen Sinne nämlich auf dem Highway to hell enden. Leider muss man sich also tagtäglich anstrengen, be-mühen und alles, von der Pflege des Grünzeugs über die Partnerschaft bis zum beruflichen Antritt, aktiv betreiben.

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Montag, 2. März 2026

Kenn ich, weiß ich, war ich schon

Kenn ich weiß ich war ich schon

Ja

Er hat mir zugehört, schaut mich ein wenig gelangweilt an und sagt mir, dass er das schon erlebt hat. Nur schöner natürlich, besser, höher, weiter, aufregender. Damals, in der Jugend, als er seine ersten Erfahrungen gemacht hat, so genau kann er sich nicht mehr daran erinnern, aber es war jedenfalls genauso und noch viel besser.

Nein

Das habe er nie probiert, warum auch. Im jugendlichen Elan mag man vielleicht das eine oder andere herumexperimentieren, aber irgendwann muss man dann für sich auch einen Weg finden. Und das war ihm ja schon sehr früh gelungen. Tatsächlich gibt es bei vielen Menschen hier Verzögerungen in der Entwicklung, mal zieht sich die Pubertät bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter hin, mal steht irgendeine Blockade im Weg.

Doch

Schon respektabel, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Defokussierung nenne man das, was aber meist eher euphemistisch sei. Vielmehr verberge dies den Mangel an Konzentration auf ein Thema, oder um es mal deutlich zu sagen: Man verzettelt sich. Damals seine Selbstfindung und danach konsequent ausgerichtet, nicht mehr hin und her, sondern klarer Kurs in die ursprüngliche Richtung auch bei Querschlägen.

Aber

Ein wenig Mitleid, nein, sagen wir Verständnis für die schwierige Lebensphase, wie gut, dass er diese weit hinter sich hat. Naivität und Vertrauen sind ja nicht a priori schlechte Eigenschaften, ein wenig Sicherheit wollen wir ja alle, auch wenn die Fakten dagegensprechen. Dieses Urvertrauen, das kleine Kinder ihren Eltern entgegenbringen und in den ersten Lebensjahren mit sich tragen.

Eigentlich

Dieser angehäufte Erfahrungsschatz, dieses Wissen aus vielen Quellen, von zahllosen Beziehungen. Der viele gute Sex und die Tränen und Opfer haben die Basis gelegt für die richtigen Entscheidungen, die richtige Partnerwahl, die richtigen Weichenstellungen und alles, was sonst noch richtig gelaufen ist. Was ja auch bei mir noch kommen kann.

Obwohl

Es ist dieser Zweifel, der irgendwann verschwindet, weil man einfach weiß, dass man höchstens mal kleine Fehler macht. Der in einer Melange aus klarem Blick, optimalen Entscheidungen und Erfolg zu einem stabilen Selbstbild führt, in dem kein Platz für Unsicherheit oder Änderungen ist. Im Rückblick auf die eigene Verwirklichung und der Erkenntnis, etwas erreicht zu haben.

Nur was?

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