Es ist ja wirklich beachtlich, wie wir in Deutschland immer weiter vorankommen, wenn es um das Thema Emanzipation der Frauen geht. Da entwickelt sich nicht nur eine Gleichbehandlung im täglichen Umgang, im Beruf, in den Rechten. Nein, auch die Sprache und hier insbesondere der geschriebene Text versucht, die Grenze zwischen den Geschlechtern zu verwischen.
Hätte ich bei meinem Schreibmaschinenkurs 1985 gedacht, was
einmal aus der damals üblichen Anrede wird? Das Sternchen war ja noch nicht mal
auf der Tastatur meiner Olympia, wie hätte ich da „Liebe Kolleg*innen“ tippen sollen?
Aber bei allem Wohlwollen für die Ansätze bleibt – zumindest
sprachlich betrachtet – dann doch der Eindruck, dass wir es uns aktuell ein
wenig schwer machen. Steht vielleicht das Sternchen für Diverse, die ja auch berücksichtigt werden wollen, in dem Sinne,
dass sie bei der Aneinanderreihung der Zeichen einen Platz zwischen der
männlichen und der weiblichen Form einnehmen?
Und spätestens an dieser Stelle drängt sich der Eindruck
auf, dass hier mit erkennbarer Mühe eine Konstruktion entsteht, die für die
Sprache eigentlich nur als umständlich bezeichnet werden kann.
Was zählt, so habe ich mir erklären lassen, ist aber eigentlich die Veränderung des Gedankenguts, was löblich ist und auch gleich das Gegenteil von Gedankenschlecht, und das wollen wir natürlich nicht. Es ist folglich notwendig, die Geschlechtsneutralität auch in der Schrift zu berücksichtigen.
Nach den zahllosen Erfolgen der feministischen Ansätze in den letzten Jahrzehnten ist es ein konsequenter Schritt in die Zukunft. Und ein klein wenig frage ich mich, wie die Entwicklung weitergehen könnte. Wäre es nicht naheliegend, Bärte zu verbieten, sind sie doch Männern vorbehalten und von daher diskriminierend gegenüber Frauen. Oder ist es angezeigt, dass auch Männer verpflichtet werden, BHs zu tragen, während Frauen einen formenden Slip erhalten. Die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale könnte man so auf ein Minimum reduzieren, was einer weiteren Angleichung zweifelsfrei entgegen käme.
An welcher Stelle ein Gedanke vom konstruktiven Voranschreiten ins Absurde kippt, ist auch in diesem Zusammenhang nicht klar definierbar. Aber es gibt solche Linien, an denen selbst liberale Menschen unwillkürlich ins Grübeln kommen und die Vorgänge nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.