Montag, 27. September 2021

Da überholt sich die Emanzipation


Es ist ja wirklich beachtlich, wie wir in Deutschland immer weiter vorankommen, wenn es um das Thema Emanzipation der Frauen geht. Da entwickelt sich nicht nur eine Gleichbehandlung im täglichen Umgang, im Beruf, in den Rechten. Nein, auch die Sprache und hier insbesondere der geschriebene Text versucht, die Grenze zwischen den Geschlechtern zu verwischen.

Hätte ich bei meinem Schreibmaschinenkurs 1985 gedacht, was einmal aus der damals üblichen Anrede wird? Das Sternchen war ja noch nicht mal auf der Tastatur meiner Olympia, wie hätte ich da „Liebe Kolleg*innen“ tippen sollen?

Aber bei allem Wohlwollen für die Ansätze bleibt – zumindest sprachlich betrachtet – dann doch der Eindruck, dass wir es uns aktuell ein wenig schwer machen. Steht vielleicht das Sternchen für Diverse, die ja auch berücksichtigt werden wollen, in dem Sinne, dass sie bei der Aneinanderreihung der Zeichen einen Platz zwischen der männlichen und der weiblichen Form einnehmen?

Und spätestens an dieser Stelle drängt sich der Eindruck auf, dass hier mit erkennbarer Mühe eine Konstruktion entsteht, die für die Sprache eigentlich nur als umständlich bezeichnet werden kann.

Was zählt, so habe ich mir erklären lassen, ist aber eigentlich die Veränderung des Gedankenguts, was löblich ist und auch gleich das Gegenteil von Gedankenschlecht, und das wollen wir natürlich nicht. Es ist folglich notwendig, die Geschlechtsneutralität auch in der Schrift zu berücksichtigen.

Nach den zahllosen Erfolgen der feministischen Ansätze in den letzten Jahrzehnten ist es ein konsequenter Schritt in die Zukunft. Und ein klein wenig frage ich mich, wie die Entwicklung weitergehen könnte. Wäre es nicht naheliegend, Bärte zu verbieten, sind sie doch Männern vorbehalten und von daher diskriminierend gegenüber Frauen. Oder ist es angezeigt, dass auch Männer verpflichtet werden, BHs zu tragen, während Frauen einen formenden Slip erhalten. Die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale könnte man so auf ein Minimum reduzieren, was einer weiteren Angleichung zweifelsfrei entgegen käme.

An welcher Stelle ein Gedanke vom konstruktiven Voranschreiten ins Absurde kippt, ist auch in diesem Zusammenhang nicht klar definierbar. Aber es gibt solche Linien, an denen selbst liberale Menschen unwillkürlich ins Grübeln kommen und die Vorgänge nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. 

Montag, 20. September 2021

Die Konkurrenz schläft nicht

Da denke ich erst mal an Markt und Verkaufen: Nur nicht nachlassen, sich ausruhen, denn: Die Konkurrenz schläft nicht. Aber diese Einstellung gilt nicht nur für den klassischen Verkauf, für das Buhlen um Kunden. Nein, auch bei Freundschaften oder der Partnerschaft ist ein Innehalten fatal. Es muss nicht immer Bewegung sein, aber eine gute Beziehung ist kein Zufall, kein Selbstläufer – sie muss fortwährend gepflegt werden. Durch Gesten, durch Handlungen, in Gedanken und Werken.

Genauso auch bei Geschäftsbeziehungen und speziell auch bei den Mitarbeitern. Ein zufriedenes Team ist keine Selbstverständlichkeit, kann man auch nicht (nur) erkaufen. Auch hier heißt es dranbleiben, Wertschätzung vermitteln, Motivation, kleine Freundlichkeiten. Und nicht nur einmal im Jahr auf die Schulter klopfen. Zwischendurch mal eine Insel im Alltag, ein gemeinsames Erlebnis. Emotionale Bindung an das Unternehmen ist eine Herausforderung, aber notwendig, sonst wird aus einem Seitensprung schnell ein Absprung und die Kündigung einer wichtigen Arbeitskraft steht ins Haus.


Montag, 13. September 2021

Telefonzellen wird es immer geben

Der menschliche Denkhorizont ist bestimmt von Erfahrungen. Wir leben alle vom bisher gelernten, ziehen aus den positiven oder negativen Reaktionen mehr oder weniger bewusst unsere Schlüsse und richten das Leben tagtäglich neu aus. Wenn etwas gut läuft, dann wiederholen wir es. Oder wir halten es für den Normalfall. Oder wir bauen Vertrauen auf. Das sind alles Mechanismen, die aus der Vergangenheit kommen und von uns genutzt werden, um unser aktuelles oder auch zukünftiges Vorgehen zu planen und zu steuern.

Das ist zunächst einmal auch schlichtweg die einzige Möglichkeit der gezielten Lebensplanung. Niemand kann in die Zukunft schauen, also versuchen wir, aus der Vergangenheit zu extrapolieren. Je kleiner die Schritte sind, umso leichter kann man den Kurs anpassen; strategische Überlegungen sind da schon deutlich schwieriger.


Andererseits führen manche Projektionen der gemachten Erfahrungen in die Zukunft völlig in die Irre. Unternehmen, die seit Jahrzehnten am Markt sind, verschwinden auf einmal. Die Nachfrage nach Telefonzellen kann man in Zeiten von Smartphones nicht durch noch so cleveres Marketing ankurbeln. Die Ära ist vorbei, das Produkt wurde weitgehend verdrängt oder komplett abgelöst.

Das gilt natürlich neben Unternehmen auch für die persönliche Lebensausrichtung. Manche Tugenden verlieren im Laufe der Zeit an Relevanz, ganze Gesellschaften verändern sich und mit ihnen die Anforderungen an den einzelnen Bürger. Wer im Strom der Sozialstrukturen mitschwimmen will, der tut gut daran, sich auf Veränderungen einzulassen. Sonst wird es mühsam und das Bewegen quer zur Hauptflussrichtung kostet viel Kraft bei verringertem Vortrieb.

Also: Immer mal wieder die inneren Überzeugungen, Wertevorstellungen und Glaubenssätze überprüfen. Sind sie noch zeitgemäß, passen sie zum Umfeld, stehen sie mir im Weg. Man muss ja nicht wie ein Fähnchen im Wind ständig die Richtung wechseln, aber sture Festhalten an (früher vielleicht richtigen) Meinungen ist Starrsinn und behindert bei der geschickten Nutzung von Chancen.

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Montag, 6. September 2021

Willkommen im Maschinenraum


Wieviel kostet eigentlich ein Toastbrot?
Zugegeben, die Frage ist ein wenig plakativ, viele ansonsten trittsichere Manager geraten da leicht ins Schwanken. Sie bekommen einerseits vor Augen geführt, dass sie etwas nicht wissen und andererseits wird ihnen eine gewisse Alltagsferne attestiert.

Aber die Frage ist interessant, weil jeder einkaufende Mensch sie recht gut beantworten kann. Nur dass der Manager aus meinem Beispiel eben nicht zu den einkaufenden Menschen gehört. Sicher kann sich eine Führungsperson aus der Affäre ziehen, weil der Besuch des Supermarktes nicht zu seinen Aufgabengebieten gehört. Dafür hat er ja seine Frau.

Wer beim Brotkauf Entscheidungen treffen muss, muss die Preise zumindest grob kennen. Solange die Frau diese Entscheidungen trifft und nicht hineingeredet wird, kann man diese Arbeitsteilung auch leben. Mischt sich aber der Manager in die Einkaufsplanung ein und macht beispielsweise Vorgaben zum Budget, wird es möglicherweise kritisch.

Gemeinsamer und aufmerksamer Einkauf öffnet dann den Blick und führt zu einer realitätsnahen Einschätzung. Da ist die eine oder andere Überraschung vorprogrammiert und der Lerneffekt – wenn er denn akzeptiert wird – nicht zu unterschätzen.

Denn: Nur wer sich gelegentlich auch mal in den Maschinenraum begibt, kann beurteilen und damit steuern, wieviel Wartung der Motor braucht und wieviel Aufwand hierfür zu veranschlagen ist.

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