Wir werden alle älter. Und schaffen es oft nicht, uns an die Gepflogenheiten der neuen Zeit anzupassen. Werden altersstarr, verharren in längst überholten Strukturen oder erzählen unseren Kindern von der guten alten Zeit.
Ich nehme mich da nicht aus. Gerade fiel es mir wieder auf, als ich auf dem Heimweg wie auf dem Rollfeld eines Flughafens von gelben Flecken, pardon, Gelben Tonnen, zu meinem Haus zurückgeleitet wurde. Ich kann mein Gebäude nun gar nicht mehr verfehlen, wie im Märchen von Hänsel und Gretel mit ihren verstreuten Kieselsteinen gibt es eine Spur, die bis zu meiner Einfahrt führt.
Ein besonderer Service des Entsorgungsunternehmers, der möglicherweise auf das Abholen verzichtet, um den Kunden eine Orientierung zu geben. Wie leicht könnte man sich sonst im Dschungel der Siedlung verfahren, hilflos herumirren und verzweifelt nach Hilfe suchen.
Wie altmodisch mutet es an, dass Tonnen an dem Tag abgeholt werden, der laut gedrucktem Müllkalender angekündigt wurde. Oder der im jederzeit aktualisierbaren Online-Kalender vermerkt ist. Hier tut es Not, nicht die Müllabfuhr zu tadeln, auch nicht die Informationspolitik zu kritisieren, sondern die Anforderung der Bürger anzupassen: Erwartungsmanagement nennt man das.
Aber auch das Wetter ist ja nicht mehr, was es mal war. Neuerdings gibt es im Winter sogar Tage mit Schnee. Das ist überraschend und wenngleich Restmüll, Grünabfuhr und Papier in vermutlich heldenhafter Tapferkeit entsorgt wurden, waren die Verpackungsreste auch nach Tagen noch in ihrer gewohnten Umgebung vor den Häusern.
Was mich beruhigt, ist, dass der Missstand die Verantwortlichen offensichtlich tief berührt. Mit geradezu flehenden Worten bitten sie mich um Verständnis, ein Trend, der hoffen lässt. Egal, ob ausfallende Züge, absurde Wartezeiten bei der Hotline oder eben verspätete Müllabfuhr. Allenthalben höre oder lese ich die Bettelei um meine Einsicht, mein Einfühlungsvermögen in die komplexen Strukturen der Unternehmen.
Nein, eine Änderung der Sache ist nicht in Sicht. Und wie im zwischenmenschlichen Feld gilt auch hier, dass es einfacher ist, sich selbst anzupassen, als am Partner etwas zu bewirken. Clevere Lösungen sind gefragt: Mülltausch könnte in die richtige Richtung gehen, private Mülllager, Müllpartys, rituelle Zeremonien.
Oder ist das alles Teil eines großen Plans und dahinter steckt am Ende Greta? Wenn wir keinen Müll mehr produzieren, muss er auch nicht mehr abgeholt werden.
Ich sag ja: Auf die Erwartung kommt es an.
*
Lies auch, wie alles begann: "Der Prozessionsweg der Gelben Tonnen"
Oder wie es weiterging: "Die Botschaft der Gelben Tonnen"
*
Abonniere den Kanal "Eckhards Blog By Dr.-G." auf WhatsApp
[Weitere Blogs: Interdisziplinäre Gedanken, Feingeistiges]






