Vor einigen Jahren habe ich im Sommerurlaub einen Hund beobachtet, der am Strand herumsprang. Von meiner Liege aus konnte ich sehen, dass er mal hier mal dort mit den Sonnenhungrigen spielte, um sie herumlief und manchmal hochsprang. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass er nur drei Beine hatte, der rechte Vorderlauf fehlte. Das schien ihn aber nicht daran zu hindern, einem Ball hinterherzulaufen, ihn dann mit der Schnauze zu spielen und sich von Badegästen streicheln zu lassen.
Überhaupt wirkte er fröhlich und trotz seiner Behinderung sehr aktiv. Und ja, vielleicht war bei den Menschen auf den Handtüchern und Liegen auch hier und da ein bisschen Mitleid dabei, das zu vermehrten Leckerlis und Streicheleinheiten, jedenfalls aber Beschäftigung mit ihm führte. Es ging im insgesamt also nicht schlechter oder sogar noch besser als vielen seiner vierbeinigen Kameraden.
Nun kann ich mich nur bedingt in einen Hund hineinversetzen, erst recht ist mir verborgen, welche Gedanken in ihm vorgehen, wenn er mit so einer merklichen Behinderung leben muss. Aber selbst ohne dieses Einfühlen und ohne ein Befragen seiner Meinung ist klar, dass er sich nicht aufgegeben hat und durchaus am Leben teilnimmt - wenn auch mit körperlich bedingten Einschränkungen.
Und wenn ich dann grübelnd hier sitze, meine seelischen Wunden lecke und in Selbstbetrachtung und vielleicht sogar in Selbstmitleid versinke, dann wird es Zeit, dass ich an den Hund denke. Gegen seine Situation geht es mir blendend, die kleinen Schwierigkeiten, die mir mein Körper von Zeit zu Zeit einbrockt, sind eher vernachlässigbar. Und entsprechend weder mir noch meinen Mitmenschen gegenüber der Rede wert. Das heißt ja nicht, dass ich meine Moleste ignoriere, natürlich überlege ich, wie ich es mir möglichst komfortabel einrichten kann. Und möglicherweise sogar einen gewissen Vorteil daraus ableite, mich über Aufmerksamkeit und (verbale) Streicheleinheiten freue.
Doch letztendlich gibt es schon einen gewissen Gestaltungsspielraum, die Möglichkeit, die kleinen Störungen nicht zum zentralen Inhalt zu machen. Sozusagen dem Ball hinterherzuhumpeln, ihn statt mit der Pfote mit der Schnauze anzustupsen und zu dem Menschen zu manövrieren, der mir als bester Lieb-Haber erscheint. Trüben Blickes auf meinem Handtuch brauche ich mich nicht nach Freundlichkeiten zu sehnen, ist mein Leben nicht Lebens-wert.
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