Montag, 18. Mai 2026

Das habe ich jetzt nicht gemerkt

Unser Gehirn ist ganz groß darin, uns Dinge vorzugaukeln. Wir meinen, etwas gesehen zu haben, können uns ganz genau an Farben erinnern, die nachweislich nicht stimmen und fühlen Bewegungen, die es nicht gibt. Flugsimulatoren profitieren von diesen Fehlwahrnehmungen und sorgen durch reine Kippbewegungen für die vermeintliche Wahrnehmung von Aufstieg und Landung.

Potentiell ist das aber auch gefährlich, denn tatsächlich haben wir keinen Sensor für Geschwindigkeit. Ob wir mit 50 über die Landstraße fahren oder mit 200 über die Autobahn jagen - es fühlt sich gleich an. Wir merken nur die Beschleunigung, das Bremsen und natürlich Kurvenfahrten. Als Indikator für Gefahr taugt das natürlich nicht, denn ein brauchbarer und vom Gehirn sinnvoll verarbeiteter Messwert fehlt. Nur über die Kombination aus Blick auf den Tacho und das Bewusstmachen der mit hoher Geschwindigkeit verbundenen Gefahr kann zu einer Beeinflussung unseres Verhaltens - in diesem Fall Reduzierung der Geschwindigkeit - führen.

Das habe ich jetzt nicht gemerkt

Das fällt allerdings vielen Menschen schwer, zumal sie das Risiko mangels entsprechender Erfahrung auch gar nicht richtig einschätzen können. Was soll schon passieren, wenn ich flott über die Autobahn brause, in diesem Fall herunterzuschalten erinnert mehr an überängstliche Schleicher oder die mahnenden Worte der Mutter, nicht auf die lauwarme Herdplatte zu fassen. "Schnickschnack" flüstert das Gehirn, "ich kann nichts Gefährliches feststellen. Fahr ruhig weiter!"

So führt die Gefühlslosigkeit potentiell in lebensgefährliche Situationen. Doch leider zieht sich dieses Phänomen auch in andere Bereiche des Alltags, da die fehlende Sensorik oder - zweiter gefährlicher Punkt - Gewöhnung uns die objektive Wahrnehmung verwehrt. In Beziehungen entspricht die erste Verliebtheit dem Beschleunigen des Autos, das merken wir und können damit umgehen. Aber dann, selbst wenn die Beziehung sehr gut läuft (analog: wir mit zügiger, aber weitgehend gleichmäßiger Geschwindigkeit fahren), nimmt die Wahrnehmung ab. Dann ist alles normal und wir wachen erst auf, wenn diese Normalität gestört wird. Plötzlich kommen Fragen auf, warum sich der Partner abwendet oder gar eine andere Beziehung sucht. Nun, vielleicht möchte er einfach noch mal das Gefühl der Beschleunigung erleben, weil er diese - im Gegensatz zur Dauergeschwindigkeit - fühlt.

Daneben sind Felder wie das Gehalt, die Zufriedenheit mit der Tätigkeit, Beziehungen zu Freunden, Spaß an Hobbys und so weiter betroffen. Überall können wir nur Differenzen erkennen, also wenn es auf- oder abwärts geht. Für die Beurteilung des Status quo ist eine explizite Beschäftigung (im Sinne Blick auf den Tacho) in Kombination mit konkreter Einschätzung erforderlich.

Und noch etwas: Auf einer großen weißen Wandfläche sehen wir sofort, wenn dort eine kleine Wespe sitzt. Wie schön, da hat unsere Differenzwahrnehmung geholfen. Ebenso nehmen wir in einer ruhigen Landschaft sofort die Bewegung eines weit entfernt laufenden Tieres wahr. Die Frühwarnsysteme funktionieren, aber wir müssen dann auch darauf eingehen. Es ist dann Aufgabe unseres Gehirns einzuschätzen, ob die Wespe mich stechen könnte oder der davonhoppelnde Hase bemerkenswert ist. Aber immerhin wird in diesen Fällen sozusagen ein Blick auf den Tacho erzwungen.

Zusammenfassend also die Erkenntnis, dass Aufmerksamkeit vor Überraschungen schützt, in vielen Fällen mit realistischen Einschätzungen zu besseren Bewertungen führt und insbesondere für Beziehungen und Lebenszufriedenheit von entscheidender Bedeutung ist.

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Montag, 11. Mai 2026

Bin ich ein dreibeiniger Hund?

Vor einigen Jahren habe ich im Sommerurlaub einen Hund beobachtet, der am Strand herumsprang. Von meiner Liege aus konnte ich sehen, dass er mal hier mal dort mit den Sonnenhungrigen spielte, um sie herumlief und manchmal hochsprang. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass er nur drei Beine hatte, der rechte Vorderlauf fehlte. Das schien ihn aber nicht daran zu hindern, einem Ball hinterherzulaufen, ihn dann mit der Schnauze zu spielen und sich von Badegästen streicheln zu lassen.

Bin ich ein dreibeiniger Hund?
Überhaupt wirkte er fröhlich und trotz seiner Behinderung sehr aktiv. Und ja, vielleicht war bei den Menschen auf den Handtüchern und Liegen auch hier und da ein bisschen Mitleid dabei, das zu vermehrten Leckerlis und Streicheleinheiten, jedenfalls aber Beschäftigung mit ihm führte. Es ging im insgesamt also nicht schlechter oder sogar noch besser als vielen seiner vierbeinigen Kameraden.

Nun kann ich mich nur bedingt in einen Hund hineinversetzen, erst recht ist mir verborgen, welche Gedanken in ihm vorgehen, wenn er mit so einer merklichen Behinderung leben muss. Aber selbst ohne dieses Einfühlen und ohne ein Befragen seiner Meinung ist klar, dass er sich nicht aufgegeben hat und durchaus am Leben teilnimmt - wenn auch mit körperlich bedingten Einschränkungen.

Und wenn ich dann grübelnd hier sitze, meine seelischen Wunden lecke und in Selbstbetrachtung und vielleicht sogar in Selbstmitleid versinke, dann wird es Zeit, dass ich an den Hund denke. Gegen seine Situation geht es mir blendend, die kleinen Schwierigkeiten, die mir mein Körper von Zeit zu Zeit einbrockt, sind eher vernachlässigbar. Und entsprechend weder mir noch meinen Mitmenschen gegenüber der Rede wert. Das heißt ja nicht, dass ich meine Moleste ignoriere, natürlich überlege ich, wie ich es mir möglichst komfortabel einrichten kann. Und möglicherweise sogar einen gewissen Vorteil daraus ableite, mich über Aufmerksamkeit und (verbale) Streicheleinheiten freue.

Doch letztendlich gibt es schon einen gewissen Gestaltungsspielraum, die Möglichkeit, die kleinen Störungen nicht zum zentralen Inhalt zu machen. Sozusagen dem Ball hinterherzuhumpeln, ihn statt mit der Pfote mit der Schnauze anzustupsen und zu dem Menschen zu manövrieren, der mir als bester Lieb-Haber erscheint. Trüben Blickes auf meinem Handtuch brauche ich mich nicht nach Freundlichkeiten zu sehnen, ist mein Leben nicht Lebens-wert.

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Montag, 4. Mai 2026

Vergütung von Aufsichtsräten nach dem Brixner-Prinzip

Der längst verstorbene Vorstandsvorsitzende der DZ BANK, Dr. Brixner, hat seine Untergebenen (das schien seine Sichtweise auf die Angestellten zu sein) gerne mit ziemlich kernigen Sprüchen konfrontiert. Ein erst mal überraschender aber in gewisser Hinsicht durchaus valider Punkt war der Aufruf, jeder solle sich (abends) Gedanken machen, ob er das Geld, das er bekommt auch verdient habe.

Im Grunde ist die Frage berechtigt. Da wird Geld als Tauschmittel (in diesem Fall Gehalt) ausgegeben, um eine Leistung (Arbeit) zu bezahlen. Je mehr jemand arbeitet, oder sagen wir je mehr Wert jemand erarbeitet, desto höher sollte die Gegenleistung sein. Das kann man bei Fließbandarbeit vielleicht in der Anzahl der festgeschraubten Felgen messen, aber ab einer gewissen Hierarchiestufe wird die direkte Bemessung schwierig bis unmöglich.

Es bleibt trotzdem die Frage der Angemessenheit. Man wird Dr. Brixner definitiv keine Sozialromantik vorwerfen, eher wollte er mit seiner Aussage dazu aufrufen, eine ordentliche Lieferung für das gezahlte Gehalt abzugeben und nicht nur zu kassieren. Mehr noch, hierfür ein Bewusstsein zu schaffen und sich individuell selbst regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen.

Vergütung von Aufsichtsräten nach dem Brixner-Prinzip
Und da lese ich dieser Tage einen kurzen Artikel im Handelsblatt, dass der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Alexander Wynaendts, ein Grundgehalt von 950.000 Euro, mit allerlei Zuschlägen bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr bekommen soll.

Nein, weder möchte ich diese schwindelerregende Summe gegen das Jahresgehalt einer Friseurin (32.000 Euro, also Faktor 30) halten, noch fühle ich in mir irgendeinen Neid. Aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit steht doch im Raum. Ist es überhaupt auch nur hypothetisch denkbar, dass eine Person so viel Wert schafft?

Bei der Bepreisung von Produkten spricht man gelegentlich von Wucher, der ist definiert als Ausnutzung einer Schwächesituation einer Person, um für eine Leistung eine deutlich überhöhte Gegenleistung zu fordern. Daneben gibt es auch andere Mechanismen, die überhöhte Preise begünstigen, zum Beispiel Monopole und Absprachen.

Die Deutsche Bank begründet die hohe Bezahlung damit, dass sie mit ihren bisherigen Vergütungen „auf dem internationalen Markt für qualifizierte Kandidaten für den Aufsichtsrat nicht ausreichend konkurrenzfähig“ sei. Verabschiedet man sich mit dieser Begründung von Dr. Brixners Konzept des Hinterfragens eigener Wertschöpfung, werden hier auf internationaler Ebene Posten verschachert und das Preisniveau damit stabilisiert und ausgebaut?

Ein privatwirtschaftliches Institut kann natürlich Bezüge ausschütten wie es ihm richtig erscheint und mit einer entsprechenden Begründung dann die eigene Verantwortung an „internationale Märkte“ weiterreichen. Offen bleibt die Frage, die bei etwas weniger exponierten Mitarbeitern im Raum stände, nämlich inwieweit man gleichwertige Leistung nicht auch durch Entwicklung vorhandener Ressourcen erreichen kann. Gibt es niemand bei den 90.000 Mitarbeitern der Deutschen Bank, der Herrn Wynaendts Expertise mit entsprechender Entwicklung und Unterstützung für einen Bruchteil der Bezahlung ersetzen kann?

Daraus ergibt sich als zentraler Punkt weniger die Forderung nach einer Gehaltsverringerung, als vielmehr die Frage, wieviel Energie in die Betrachtung von Alternativen gesteckt wurde. Anders ausgedrückt, ob diese angeblich notwendige Anpassung wirklich so notwendig war und das "Brixner-Prinzip" mit Füßen getreten werden darf.

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Montag, 27. April 2026

101 – stolzes Alter!

101 - stolzes Alter

Vor ein paar Tagen wäre meine Mutter 101 Jahre alt geworden. Bis zu ihrem 95. Geburtstag hat sie sogar noch am Leben teilgenommen, wenngleich sie die letzten Jahre im Altersheim verbracht hat. Und gerade heute denke ich daran zurück, wie ihr Leben denn so abgelaufen ist.

Über viele Jahrzehnte war sie Hausfrau und Mutter, hatte keinen Beruf erlernt, aber dennoch sieben Tage die Woche gearbeitet. Ich glaube, mit dem Begriff der Work-Life-Balance hätte sie nichts anfangen können, zum einen nicht, weil sie nicht im klassischen Sinne Arbeiten gegangen ist (Work), zum anderen, weil sie ihren normalen Alltag als Leben bezeichnet hätte.

Morgens einzukaufen, danach den Mittagstisch vorzubereiten, das Haus sauberzumachen, den Garten auf Vordermann zu bringen, das Abendessen zu kochen und begleitend uns Kinder zu betreuen. Das war eine Fülle von Aufgaben, die ich selbst nicht so ohne weiteres hinbekäme. Und das jeden Tag, auch am Wochenende, ohne Klagen, ganz selbstverständlich. Aber auch ohne Druck und Stress. Einfach gemacht.

Wie groß ist der Kontrast zu vielen jungen Leuten um mich herum, die eine berufliche Tätigkeit haben, dabei ständig unter Strom stehen, die Wochentage durchkeulen und am Wochenende erschöpft ein wenig Erholung suchen. Der Akku wird dann mit aufwändigen Wellnessangeboten, Massagen, Entspannungen und Aktivprogrammen aufgeladen. Hinzu kommen jährlich mehrfache Reisen, um etwas anderes zu sehen, um „mal runterzukommen“.

In gewisser Hinsicht ein Leben, das dauerhaft am Limit verläuft, da gibt es bestenfalls Ruhephasen, aber die durchschnittliche Geschwindigkeit ist permanent zu hoch. Burn-out, Depressionen, Zusammenbrüche und diverse körperliche Probleme von Schwierigkeiten mit inneren Organen bis zu ernsten Herzschäden lassen grüßen.

Die moderne Medizin macht es möglich, allerlei Erkenntnisse und Arzneimittel werden nicht nur zur Therapie, sondern schon zur Lebensbegleitung eingesetzt. Mit gewisser Verwandtschaft zu Drogen werden Antidepressiva genommen, statt die Ursache zu beheben, werden zeitoptimierte Sportprogramme ausgeführt, statt sich mit offenen Augen durch den Wald treiben zu lassen.

Unter den heutigen Randbedingungen wäre meine Mutter sicher nicht 95 Jahre alt geworden. Und ob sie in der entsprechend kürzeren Lebenszeit mit aufregenden Ausgleichsmaßnahmen, Entertainment und äußeren Belustigungen glücklicher gewesen wäre wage ich zu bezweifeln.

Da bewundern wir oft andere Menschen – gerne auch im Ausland – die ihr Leben viel ruhiger gestalten. Die keine Fehlernährung kennen, denen der Begriff Stress nichts sagt und die dauerhaft mit der ihnen möglichen Geschwindigkeit zwischen Geburt und Tod unterwegs sind. Was hält uns eigentlich davon ab, ein wenig dieser Ruhe auch in unseren Alltag zu überführen, nicht nur ein paar Kleinigkeiten zu ändern, sondern wirklich komplett umzudenken. Und damit dann auch die 95 zu erreichen.

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Montag, 20. April 2026

Nicht für die Schule... (2): Work-Life-Balance

Nicht für die Schule - Work-Life-Balance

"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" – Erkenntnis und von Pädagogen gerne zitierte Phrase des römischen Philosophen Seneca. Ob sie nun für die etwas lieblose Motivation zur Aneignung ungeliebten Lernstoffs herhalten muss, oder demonstrieren soll, dass es dem Empfänger dieser Botschaft an Weitblick fehlt: Eine weitere Diskussion danach ist obsolet.

Und gerade beim Weitblick wird auch das Spannungsfeld zwischen Schule und Leben klar. Schule ist das eine, Leben ist das andere. Gegensätze, die sich ergänzen, aber mehr oder weniger komplementär zueinander stehen. Also so ähnlich wie die aktuelle Debatte zu Arbeit und (Privat-) Leben, kurz als Work-Life-Balance bezeichnet.

Kritiker bemängeln, dass sich Arbeit und Leben nicht ausschließen, im Idealfall ja geradezu ergänzen sollten. Wer bei seiner beruflichen Tätigkeit leuchtende Augen hat, der sieht sie als Teil seines Lebens, es gibt nichts auszubalancieren. Die Grenze zwischen Arbeit und Leben verschwimmt, abgetrennte Bereiche des Lebens wie Freizeit oder Wochenende werden von der Arbeit einverleibt.

Befürworter wiederum meinen, dass Arbeit nur ein Teil des Daseins ist, egal wie erfüllend sie ist. Dass der Körper auch Ruhephasen braucht und überhaupt weitere Aspekte wie soziale Kontakte oder körperliche Bedürfnisse leicht zu kurz kommen können.

Neutral betrachtet ist Balance immer gut. Schlecht ist es, wenn sie als Vorwand für die Orientierung in der einen oder der anderen Richtung missbraucht wird. Über Work-Life-Balance zu sprechen und eigentlich eine Reduzierung der Arbeit zu meinen ist nicht der Sinn der Sache. Balance ist wie bei einer Waage das Austarieren, nicht das Füllen der einen Waagschale zu eigenen Gunsten.

Womit wir auf das Thema Lernen für Schule und Leben zurückkommen. Auch hier ist die Schule nicht das Gegenteil von Leben, sollten leuchtende Augen der Wissbegierde den Idealzustand darstellen. Dann verschwimmt die Grenze zwischen Schulstoff, aktueller Nützlichkeit und potentieller späterer Notwendigkeit. So betrachtet ist das Leben, für das wir lernen kein abstrakter Himmel, in den wir kommen können, sondern eine konkrete Gegenwart und Zukunft, die wir mit Wissen anreichern.

In der heutigen schnelllebigen Zeit ist lebenslanges Lernen eine immer lauter werdende Forderung. Wurde diese in den letzten Jahrzehnten eher allgemein geäußert und nicht von jedem arbeitenden Menschen ernst genommen, mutiert sie nach und nach zu einer zentralen Anforderung. Selbst, wenn die Formulierung „nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ altmodisch ist, ihr Kern ist aktueller als je zuvor.

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Montag, 13. April 2026

Nicht für die Schule... (1): Jenseits der Chatbots

Bei einem Podcast kamen die beiden Gesprächspartner dieser Tage am altertümlichen Spruch von Seneca vorbei, in dem es um die Motivation von Lernen geht. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“

Vor rund zweitausend Jahren hat sich also ein römischer Philosoph schon zum Lernen, zu Schule und (späterem) Leben geäußert. Das ist insofern bemerkenswert, als in dieser Aussage gleich mehrere Aspekte stecken, die auch heute noch uneingeschränkt zutreffen.

Nicht für die Schule 1 - Jenseits der Chatbots

Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Technisierung, dem allgegenwärtigen Internet mit seinen Suchmöglichkeiten und den immer weiter voranschreitenden Unterstützungen durch Bots stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch lernen müssen. Egal, ob für die Schule oder für das Berufsleben, die Notwendigkeit für den Erwerb von Sprachkenntnissen, mathematischen Zusammenhängen, geschichtlichen Daten oder gar musischen Kompetenzen scheint nicht mehr zeitgemäß.

Die Entwicklung lässt sich schon seit einiger Zeit absehen, immer mehr Tätigkeiten erfordern tatsächlich nur noch Ansätze dieser Fähigkeiten. Sei es die Kassiererin, die Kopfrechnen von einem Kassensystem abgenommen bekommen hat, sei es die Sekretärin, deren Rechtschreibkenntnisse durch die Autokorrektur ersetzt werden. Wofür sollte man ein Musikinstrument beherrschen können, etwas über die Pflege eines Obstbaumes erfahren oder sich in Leichtathletik üben?

Erst mit erheblicher Verzögerung und im Laufe des Berufslebens kommt dann in vielen Fällen die Keule zurück. Ganz generell können wir erst mal festhalten, dass auch unser Denkapparat funktioniert wie ein Muskel, der trainiert werden kann und muss. Je mehr geistige Fähigkeiten wir uns aneignen, desto leichter wird der weitere Zuwachs. Das dritte Musikinstrument lernt sich leichter als das erste, gleiches gilt für Fremdsprachen oder technische Abläufe.

Dann ist auch die Einsetzbarkeit im Beruf auf Dauer von der Grundausbildung abhängig. Kreativität, Vielseitigkeit und Einfallsreichtum leben nicht nur von guter Vernetzung im Gehirn, sondern auch von einer möglichst breiten Grundausstattung an Daten. Ohne Kenntnis anderer Themenfelder keine Analogien möglich, ohne historische Kenntnisse kein Lernen aus Erfahrung (anderer Personen).

Schließlich ein Blick auf Alterungsprozesse. Nachlassende Denk- und Gedächtnisleistung lässt sich nicht grundsätzlich verhindern, aber die Frage ist, von welchem Niveau aus man startet. Wer vorher seinem Gehirn nur die nötigsten Gedankengänge abverlangt hat, bei dem ist bei halbierter Leistungsfähigkeit kaum noch etwas übrig. Gilt sinngemäß auch für körperliche Fitness.

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Montag, 6. April 2026

Frieden und Gesundheit

Traditionell finden an den Ostertagen Demonstrationen für Frieden statt, wird gegen Krieg auf die Straße gegangen. Da engagieren sich Bürger und setzen ein Zeichen für einen Zustand, den sie als Frieden bezeichnen. Doch was verbirgt sich dahinter? Was verstehen wir unter Frieden, was sind Indikatoren dafür?

Das Ganze erinnert mich an den Begriff „Gesundheit“.
  1. Gesundheit ist ein erwünschter Zustand, wir möchten als Mensch möglichst lange gesund sein.
  2. Kein Mensch ist tatsächlich vollständig gesund. Unser Körper ist ununterbrochen damit beschäftigt, kleine Defekte, Ungleichgewichte und mehr oder weniger große Probleme zu beheben.
  3. So scheint Gesundheit also eher die Abwesenheit von Krankheit zu sein, man siecht nicht offenkundig dahin, sondern fühlt sich weitgehend lebens- und leistungsfähig.
  4. Gesunde Körper sind leistungsfähiger als kranke.
  5. Es gibt eine eigene Industrie, die sich mit Gesundheit und Krankheit beschäftigt.
Frieden und Gesundheit

Mit dem „Frieden“ scheint es ähnlich zu sein.
  1. Frieden ist ein erwünschter Zustand, in dem wir als Menschen möglichst lange leben möchten.
  2. Vollständigen Frieden gibt es nicht. Ständig gibt es kleine Unstimmigkeiten mit dem Partner, Auseinandersetzungen zwischen Parteien und viele weitere Themen, die die Gerichte beschäftigen.
  3. Frieden ist also die Abwesenheit von Krieg; kein Kriegsgerät oder Waffen, man kann sich weitgehend frei bewegen ohne Angst um Leib und Leben haben zu müssen.
  4. In Friedenszeiten sind Staaten gesellschaftlich leistungsfähiger.
  5. Es gibt eine eigene Industrie, Militär, hauptberufliche Soldaten.

In den Jahrzehnten meines Lebens hat kein Soldat auf mich geschossen, wurde ich nicht zu kriegerischen Handlungen gezwungen, in Kämpfe verwickelt. Und auch die manchmal in Frage gestellte Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein hohes Gut.

Was für mich selbstverständlich scheint, ist für viele unerreichbar – und genau das macht den Frieden so wertvoll. Er ist wie Gesundheit: erst wenn er bröckelt, merken wir, wie sehr er uns getragen hat. Und deshalb bedanke ich mich bei den Menschen, die dieses Verständnis in den Umzügen und Demonstrationen auf die Straße bringen.

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Montag, 30. März 2026

Demokratie 2.0

Wir leben in Deutschland ja in einer Demokratie. Eine Form, bei der sich Meinungen auf der Grundlage von Mehrheiten bilden und dann entwickelt oder umgesetzt werden. Das hat bei nicht wenigen Gelegenheiten auch negative Auswirkungen, aber im Grunde kennen wir derzeit kein anderes System, das aus menschlicher Sicht besser zu sein scheint.

Demokratie 2.0

Wie funktioniert das? Jedes Individuum bildet sich seine Meinung, die Meinungen einer gewissen Fraktion werden gesammelt und über einen geeigneten Mechanismus in eine Entscheidung überführt. Dieser Mechanismus ist dabei aber kein neutraler Sammler oder eine reine Statistik, sondern ist selbst ein lebendiger Apparat.

Insofern hat dieser Vorgang auch dynamische Komponenten und besitzt weitere Beeinflussungsfaktoren. Sei es, dass ein Politiker auch seine eigene Sicht einbringt, dass eine Partei den Willen der Wähler im Sinne eines Programmes interpretiert oder schlichtweg aus taktischen Gründen priorisiert. Und auch die Einflussnahme auf die Wähler spielt eine Rolle, Wahlkampf, Werbung, Darstellung und rhetorisches Geschick verzerren von Natur aus das neutrale Bild, das sich die Bürger im Vorfeld gemacht haben.

Schließlich noch Kollektiveffekte, aktuelle Diskussionen und Modethemen. Über die Zeit kann man den Aufstieg mancher Parteien erleben, begleitet vom Niedergang anderer Parteien. In vielen Fällen hat das etwas mit dem Zeitgeist zu tun, mit Haltungen, die sich in der Gesellschaft aktuell niederschlagen. Mit dem Erstarken der Friedensbewegung und dem Trend zu mehr Natur war beispielsweise der Boden für die Grünen geebnet.

Und spätestens an dieser Stelle kommt die Komplexität einer Gesellschaft ins Spiel. Die Beobachtung von Mitmenschen, die Gespräche mit Freunden, der Kontakt mit Nachbarn und nicht zuletzt die Schwerpunkte von Medienberichten. All das hängt miteinander zusammen, verstärkt nur angedeutete Veränderungen bis zu einer Massenbewegung - denken wir nur an „Fridays for future“.

Der Grundgedanke, dass eine Lösung nach Mehrheitsentscheid optimal ist, muss sich hier gegen Beeinflussung und Mitnahmeeffekte wehren. Wie stark ist ein Thema emotional untermauert und erreicht so eine große Anhängerschaft, die vermeintlich unabhängig voneinander, eigentlich aber mehr im Sinne einer einzigen lauten Stimme agiert.

Es ist aus meiner Sicht keine Option, auf die Beteiligung aller Betroffenen zu verzichten. Das ist weder im sozialen noch im menschlichen Sinne sinnvoll. Allerdings wäre es ein interessanter Ansatz, die Wahlergebnisse intelligent aufzubereiten. Mit hierzu trainierten (KI-) Modellen könnte man die Mitnahme herausrechnen, durch geschickte Fragen das Nachplappern eliminieren und Gewohnheiten unberücksichtigt lassen.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob unsere traditionelle Wahl von Parteien der richtige Weg ist. Wenn ich vor dem Gang zur Urne den Wahl-o-mat befrage und dann die Vertretung mit der höchstmöglichen Überdeckung ankreuze: Warum lassen wir nicht auf der Basis des Wahl-o-mat ein Programm für die nächste Legislaturperiode erstellen und setzen sie dann mit geeigneten Menschen um?

Das kann man dann technisch noch weitertreiben, Indikatoren für die Zielerreichung definieren und kontrollieren, durch Hinzunahme von Randbedingungen aber auch Zielanpassungen vornehmen. Hier denke ich an Agilität, ein Verfahren, das sich in der Handhabung volatiler und komplexer Systeme bewährt hat. Lösungen ableiten, ausprobieren und nach kurzen Zeitspannen bedarfsweise anpassen ist die Grundidee, die im technischen Umfeld schon seit geraumer Zeit langlaufende Großprojekte (analog Programmen für eine mehrjährige Legislaturperiode) abgelöst hat.

Dieser Ansatz ist viel reaktionsschneller, weniger von Entscheidungen einzelner Politiker abhängig und kann mit den modernen Möglichkeiten wie Apps einerseits und KI andererseits problemlos implementiert werden. Denn zweifellos dreht sich unsere moderne Industriewelt immer schneller, dem müssen wir Rechnung tragen und etablierte Abläufe und unser Demokratieverständnis weiterentwickeln.

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Montag, 23. März 2026

Automatik, Automatik

Ich finde Automatik ist was Feines. Im Idealfall macht eine Automatik das, was ein Mensch auch machen würde, aber ohne sein Zutun. Ich komme in einen dunklen Raum, schon geht die Beleuchtung an, einen Lichtschalter muss ich nicht betätigen. Und wenn ich dann später den Raum verlasse, muss ich auch nichts drücken, die Automatik erkennt, dass ich den Raum verlasse und schaltet das Licht wieder aus.

Automatik, Automatik

Soweit die Theorie. Der erste Schaltvorgang ist meist recht zuverlässig, ein Bewegungsmelder erfasst meine Ankunft und schließt den Stromkreis. Dann bin ich im Raum, und schon gerät der Automat in Schwierigkeiten. Mangels Bewegung vermutet er, dass ich gar nicht mehr da bin. Wenn ich lesend oder in ruhiger Bildschirmarbeit im Zimmer bin, geht das Licht zwischendurch aus. Und wenn ich dann irgendwann aus dem Raum hinausgehe bleibt das Licht sicherheitshalber noch mal eine Weile eingeschaltet.

Gewiss, es ist ein Komfortgewinn und eine gewissen Bequemlichkeit. In gewisser Weise auch ein Sicherheitsmerkmal, denn ich kann nicht vergessen, das Licht auszuschalten. Aber weder kann ich verhindern, dass das System zwischendurch unerwünscht arbeitet (Licht ausschaltet), noch ist mit dem vorhandenen Bewegungsmelder ein möglichst kurzer Nachlauf zu realisieren.

Automatiken gleich welcher Art haben also ihre Tücken. Sei es die Klimaanlage, die angesichts einer (aus ihrer Sicht) geöffneten Tür den Dienst verweigert, sei es ein elektrisches Oberlicht, das bei Sonnenschein nicht aufgehen will. Das liegt mal an einer ungeschickten Programmierung, mal an fehlendem (weiteren) Sensor, mal an Störungen in der Signalübertragung. Oft lässt sich der Verursacher des unerwünschten Verhaltens gar nicht identifizieren, man kann nur feststellen, dass etwas nicht so funktioniert, wie man es erwartet oder in diesem Moment selbst machen würde.

Vor diesem Hintergrund ist es beunruhigend, wie viele unterschiedliche Helferlein in einem modernen Auto verbaut sind. Nicht allein die ganzen Sensoren im Motor, die Drücke und Füllstände kontrollieren, nein, auch die Fühler für Helligkeit, Feuchtigkeit, Reifendruck, Geschwindigkeit, Bremsdruck und so weiter spielen eine Rolle im komplizierten Management des Fahrzeugs. Und manche davon arbeiten ähnlich wie der Lichtschalter - mal gut, mal schlecht. Und spätestens, wenn einer der zahlreichen Messfühler kein Signal liefert, wird der Betrieb gestört oder leitet für den Fahrzeugführer überraschende Maßnahmen ein.

Das Beste, habe ich früher gesagt, das Beste an einer Automatik ist der Knopf zum Abschalten. Ein Lichtschalter, mit dem ich das Licht dauerhaft einschalten kann oder auch beim Verlassen des Zimmers die Beleuchtung wieder ausschalte. Vielleicht sogar ausgeschaltet lasse, weil es für meine Zwecke noch hell genug ist. Das erzwingt zwar bei mir eine gewisse Disziplin, aber die Verantwortung übernehme ich gerne, wenn ich nur Herr der Lage bleibe und nicht von einer Technik bevormundet werde.

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Montag, 16. März 2026

Lebensmanagement

Früher nannte man es Philosophie, da gab es einen Studiengang, der von bedächtig wirkenden Personen belegt wurde. Meist schrieben sich diese Menschen irgendwann nach dem Abitur ein, besuchten Vorlesungen, Seminare, Diskussionsrunden und so weiter. Nur der Abschluss ließ auf sich warten, in diesem Fach traf man die meisten Ewigstudenten.

Wer mit Philosophen spricht oder deren Texte liest, der muss sich auf harte Kost einstellen. Wenig verständlich leben sie in einer eigenen Welt, beschäftigen sich mit Themen, die den meisten Normalsterblichen fremd sind und drücken sich so kompliziert aus, dass selbst geistig rege Gesprächspartner ihnen nicht folgen können. Aber das scheint auch gar nicht ihr Antritt zu sein. Sätze über eine ganze Seite, Verschachtelungen und Verweise auf andere Philosophen oder die eigenen Texte in anderem Kontext machen die Veröffentlichungen zu einem Labyrinth.

Lebensmanagement

Heraus kommen komplizierte Gedanken, die sich kaum im Alltag umsetzen lassen. Das Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung der Menschen in der Welt endet in ausgesprochen abstrakten Überlegungen. Wer klare Antworten erwartet oder gar Handlungsempfehlungen ableiten möchte, wird im Wesentlichen enttäuscht.

Aber vielleicht ist es ja auch eine aussterbende Wissenschaft. Abgelöst in der heutigen Welt durch eine Form von Management, konkret von Lebensmanagement. Einen separaten Studiengang hierzu gibt es nicht, aber ich stelle mir vor, dass dort sehr anwendungsbezogen geforscht würde. Mit den einfachen Worten auf dem Niveau der Bildzeitung könnten Fälle beschrieben, Diskussionen im RTL-Format übertragen und Erkenntnisse evaluiert würden.

Schnell würde man eine eigene Plattform ins Leben rufen, orientiert an Tiktok die neuesten Reels zu Erwartungsmanagement posten oder sich mit dem Thema Enttäuschungsmanagement beschäftigen. Alles kostenlos, niedrigschwellig, leichtverdaulich. Voraussetzung ist kein Studium, sondern nur ein Handy mit Kamera und der innere Auftrag, seinen Mitmenschen die Annehmlichkeiten des eigenen Lebens nahezubringen.

Was so oder so auf der Strecke bleibt: Die Antwort nach dem Sinn des Lebens. Ob nun eine verklausulierte Nicht-Antwort oder eine poppig-bunte Ausweich-Antwort: Auf der Suche nach meinem persönlichen Weg werde ich alleine gelassen. Kein Wunder also, dass viele verunsicherte Konsumenten orientierungslos in Scharen mal diesem, mal jenem Trend und Influenzer hinterherlaufen. Wo das Ziel nur verschwommen zu erkennen ist, ist leider auch viel Platz für Verführung.

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Montag, 9. März 2026

Die Suche nach der Pause-Taste

Gott sei Dank gibt es in Deutschland deutlich unterschiedliche Jahreszeiten. Während man im Sommer wundervoll auf dem Gartenstuhl sitzen kann, aber leider auch wöchentlich den Rasen mähen muss, hat man im Winter Aktionspause und kann von der Couch aus den zur Ruhe gekommenen Garten betrachten. Doch im Frühjahr geht es dann wieder los, die Knospen brechen auf, altes Holz muss zurückgeschnitten werden, man muss wieder in die Gartensaison starten.

So geht es immer weiter. Man kann nicht Unkraut jäten, Blüten ausputzen, Rasen mähen und dann auf die Pause-Taste drücken. So soll der Garten bleiben, mindestens bis zum Herbst, am besten für den Rest meines Lebens. Anhalten der Vegetation im perfekten Moment. Kein Wachstum, kein Wuchern, kein Unkraut, keine Notwendigkeit zum Gießen oder gar zur Renovierung von Pflanzkübeln und Wegen.

Natürlich auch in der Partnerschaft. Die blühende Schönheit junger Leute, die wilde Leidenschaft der Flitterwochen, die Neugierde aufeinander, der ungestüme Wunsch nach Zweisamkeit und gemeinsamer Gestaltung. Das alles einfach einfrieren, im Optimum anhalten und für Jahrzehnte konservieren. Dazu im Beruf die aufregenden Erfahrungen der Probezeit, das Willkommen der Kollegen, spannende neue Aufgaben und jeden Tag Impulse zur weiteren Entwicklung.

Die Suche nach der Pause-Taste
Plopp. Das gibt es nicht. Es gibt keine Pause-Taste. Und das heißt auch, dass man entweder immer Aufwand hineinstecken muss - vielleicht mit kleinen Pausen wie der Saisonunterbrechung im Garten - oder dass alles verlottert und unattraktiver wird. Von alleine passiert da nichts, weder bei der Gartenpflege noch in der Partnerschaft, noch im (beruflichen) Alltag.

Die fatale, vielleicht sogar frustrierende Erkenntnis: Allein zur Beibehaltung des Status Quo braucht man Energie. Und wenn man mehr will, dann ist das ein mühsames Geschäft. Aber andererseits ist es der Schlüssel zum Glück, sei es bei der Freude über den immer attraktiveren Garten, eine langfristig tolle Partnerschaft oder eine zufriedenmachende Arbeit.

Was dann auch die - nur auf den ersten Blick banale - Kernbotschaft ist. Menschen sehnen sich nach Glück, unterliegen aber oft der Fehleinschätzung, dass dieses zu ihnen käme. Oder bleibt, wenn es erst mal da ist. Durchaus falsch, Glück kommt nicht von außen (der Gewinn von Geld zum Beispiel im Lotto macht nicht wirklich glücklich), sondern ist das Ergebnis einer mehr oder weniger gezielten Anstrengung. Und es bleibt auch nicht einfach so.

In etwas modifizierter Form kann man diese Gedanken auch bei Eckart von Hirschhausen (Buch: "Glück kommt selten allein") nachlesen. Er entlarvt in humoristischen Formulierungen die gedanklichen Fehler und falschen Annahmen rund um das Erreichen von Glück.

Deutlicher kann man festhalten, dass Bequemlichkeit oder gar Faulheit in die falsche Richtung zeigen, im philosophischen Sinne nämlich auf dem Highway to hell enden. Leider muss man sich also tagtäglich anstrengen, be-mühen und alles, von der Pflege des Grünzeugs über die Partnerschaft bis zum beruflichen Antritt, aktiv betreiben.

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Montag, 2. März 2026

Kenn ich, weiß ich, war ich schon

Kenn ich weiß ich war ich schon

Ja

Er hat mir zugehört, schaut mich ein wenig gelangweilt an und sagt mir, dass er das schon erlebt hat. Nur schöner natürlich, besser, höher, weiter, aufregender. Damals, in der Jugend, als er seine ersten Erfahrungen gemacht hat, so genau kann er sich nicht mehr daran erinnern, aber es war jedenfalls genauso und noch viel besser.

Nein

Das habe er nie probiert, warum auch. Im jugendlichen Elan mag man vielleicht das eine oder andere herumexperimentieren, aber irgendwann muss man dann für sich auch einen Weg finden. Und das war ihm ja schon sehr früh gelungen. Tatsächlich gibt es bei vielen Menschen hier Verzögerungen in der Entwicklung, mal zieht sich die Pubertät bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter hin, mal steht irgendeine Blockade im Weg.

Doch

Schon respektabel, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Defokussierung nenne man das, was aber meist eher euphemistisch sei. Vielmehr verberge dies den Mangel an Konzentration auf ein Thema, oder um es mal deutlich zu sagen: Man verzettelt sich. Damals seine Selbstfindung und danach konsequent ausgerichtet, nicht mehr hin und her, sondern klarer Kurs in die ursprüngliche Richtung auch bei Querschlägen.

Aber

Ein wenig Mitleid, nein, sagen wir Verständnis für die schwierige Lebensphase, wie gut, dass er diese weit hinter sich hat. Naivität und Vertrauen sind ja nicht a priori schlechte Eigenschaften, ein wenig Sicherheit wollen wir ja alle, auch wenn die Fakten dagegensprechen. Dieses Urvertrauen, das kleine Kinder ihren Eltern entgegenbringen und in den ersten Lebensjahren mit sich tragen.

Eigentlich

Dieser angehäufte Erfahrungsschatz, dieses Wissen aus vielen Quellen, von zahllosen Beziehungen. Der viele gute Sex und die Tränen und Opfer haben die Basis gelegt für die richtigen Entscheidungen, die richtige Partnerwahl, die richtigen Weichenstellungen und alles, was sonst noch richtig gelaufen ist. Was ja auch bei mir noch kommen kann.

Obwohl

Es ist dieser Zweifel, der irgendwann verschwindet, weil man einfach weiß, dass man höchstens mal kleine Fehler macht. Der in einer Melange aus klarem Blick, optimalen Entscheidungen und Erfolg zu einem stabilen Selbstbild führt, in dem kein Platz für Unsicherheit oder Änderungen ist. Im Rückblick auf die eigene Verwirklichung und der Erkenntnis, etwas erreicht zu haben.

Nur was?

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Montag, 16. Februar 2026

Büttenrede 2026 zum "TAV des Teufels"

Büttenrede 2026 TAV des Teufels
Helau und Alaaf, ihr Narren – seid bereit!
Für etwas Wahrheit – und ein bisschen Gemeinheit.
Ich bin im Alltag – glaubt es mir –
ein TAV ganz fein und sanft wie ihr.

Ich manage Anwendungen, installier’ sie geschickt,
sorge für Betrieb, dass alles perfekt tickt.
Fehler lösen, Fragen beantworten – das liegt mir im Sinn,
für Fachbereich und Lieferanten bin ich stets voll drin!

Hilfsbereit, charmant, stets korrekt,
doch hinter der Fassade ist ein Teufel versteckt!
Denn wehe, wehe, in dunkler Nacht,
wenn keiner mehr E-Mails verschickt oder macht.

Dann tauscht Dr. Jekyll leis sein Kleid,
und Mr. Hyde steht kampfbereit.
Dann bin ich fremd – ja, selbst mir ein Graus,
die nette Seele verlässt plötzlich mein Haus.

Ego, Macht und Bequemlichkeit
regieren dann die Arbeitszeit.
Dann flüstert es leise aus dem System:
„Sei faul, sei böse – nenn es bequem!“

Ich werde kleinmacht-besessen und kühn,
denke mir: Soll’n doch die anderen sich müh’n!
Rücksicht? Pah! Moral? Ach was!
Jetzt spricht der Teufel – die Hölle macht Spaß!

Nicht brav, nicht nett, ich scheuch euch herum,
der Teufel-TAV regiert – und zwar richtig krumm!
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Besonders liebe ich die Automaten,
die still für mich die Arbeit starten.
Mit RPA – meinem höllischen Knecht –
lenk’ ich die User, mal links und mal rechts.

Tagsüber testet dieser Bot ganz brav,
nachts macht er CE-Bearbeitungen im Schlaf.
Heut’ lass ich ihn – ganz nebenbei –
einen Change anlegen… eins, zwei, drei.

Ein fieses Präsent, fein und mit Bedacht,
für einen Projektleiter, der mir widersprochen hat.
Denn merkt euch: Wer mir im Meeting Contra gibt,
hat schnell ziemlich viel Arbeit dazugekriegt.

Mein Roboter füllt Felder – Stück für Stück,
verteilt Zuordnungen mit Tücke und Glück.
Schiebt Workflows weiter – mit Engelsgeduld –
Und ich? Ich bin natürlich an gar nichts Schuld!

Als Begründung – fein und klein –
trag’ ich „BaFin – Compliance“ ein.
Das klingt dann wichtig, schwer und groß –
Und macht so manche Führungskraft kopflos.

Zwar muss ich manchmal selbst noch ran,
weil KI noch nicht alles kann.
Doch bald schon – merkt euch dieses Wort –
stellt sie die Texte selbst zusammen dort.

Aus Datenbanken, schlau kombiniert,
wird jeder Change automatisiert.
Knifflig? Ja. Doch ohne Scherz:
Genau so etwas wärmt mein Teufelsherz!
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Doch plötzlich – kaum zu fassen, oh nein –
da klingelt bei mir das Telefon daheim!
Ein Anwender, ganz ungeniert,
der offenbar seine Lage nicht kapiert.

Ich frage mich leise, doch sehr bestimmt:
Wann lernt dieser Mensch, was hier nicht stimmt?
Man kann mit mir ja alles tun –
solang man mich lässt einfach ruhn.

Denn Anrufe, Freunde, das geht gar nicht,
das stößt beim Teufel im TAV auf höllische Pflicht!
Ein Klick, zwei Klicks – ich bleib ganz fein,
schon bin ich in seinem Verzeichnis daheim.

Ganz freundlich nach seiner Kennung ich frage,
er ahnt nicht, was ich mit seiner ID vorhabe.
Er klagt und jammert mir die Ohren voll,
während ich im Zugriffsbaum nach vorne roll.

Ich suche genüsslich, ganz ohne Stress,
seine Rechte heraus – welch teuflischer Exzess!
Kaum Minuten verstrichen, glaubt mir sehr,
sind seine Zugriffe weg – vorbei, er sieht nichts mehr!

Ein letzter Klick, die Tat vollbracht,
das Telefon wird stumm gemacht.
Ich leg ganz ruhig einfach auf –
so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Und falls er denkt, mit frischem Mut,
ein zweiter Anruf wär jetzt gut:
Für ihn ist diese Leitung tot –
zig Wochen gesperrt, so will’s der Code!
________________________________________
Da gibt es Gesellen, die ernsthaft glauben,
sie könnten sich Einladungen an mich erlauben
zu Meetings voller Pillepalle und Geschwätz,
ich denk nur: „Himmel, wie bescheuert ist denn das jetzt?“

Mein Computer, der reicht mir allein,
da brauch ich keine Dorftrottel und ihre Kaffeereih’n.
„Beschäftigt“, „Nicht stören“, „Am Telefon“ –
mein Status wandert durch alle Optionen schon.

Ein kleines Skript, so heimlich und fein,
lehnt Einladungen ab – oh wie gemein!
Mal auf exotische Zeiten verschoben,
mal mit Fragen, ob das Problem nicht behoben.

Zum Ablenken springt nachts die Fritzbox dann an,
damit jeder meinen Fleiß auch bestaunen kann.
„Gesendet nächtlich um 00:30“ –
ach schau mal, der TAV war wieder fleißig!
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So könnt’ ich noch viele Geschichten erzählen,
von Schikanen, Gemeinheiten und kleinem Quälen.
Ich werd’ nicht müde, die Technik zu verbiegen,
und jeden Anwender so richtig in die Knie zu kriegen!

Am Ende zählt nur mein Wille und die Macht,
und wer jemals mich zum TAV gemacht,
hat entweder das Ende nicht kommen sehen
oder war mutig und dachte, er könnte bestehen.

Also merkt euch, Narren, seid nicht so keck,
den TAV-Teufel überlistet ihr nicht – nicht ein Stück!
Ich tyrannisiere weiter im digitalen Saal,
denn Hölle und Humor – das ist meine Wahl!

Jetzt lacht mit mir, verzeiht mir heut,
denn Fastnacht ist die Narrenzeit.
Ab Aschermittwoch – das ist klar –
bin ich wieder freundlich… fast ganz, na ja.

Denn der TAV des Teufels steckt in jedem hier,
ein kleiner Schelm, ein Spötter – das sage ich dir!

Alaaf und Helau

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Hier ist der Beginn der Originalserie aus dem Oktober 2020: TAV des Teufels Staffel 1, Folge 1)
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Montag, 9. Februar 2026

Das Erwartungsmanagement der Gelben Tonnen

Wir werden alle älter. Und schaffen es oft nicht, uns an die Gepflogenheiten der neuen Zeit anzupassen. Werden altersstarr, verharren in längst überholten Strukturen oder erzählen unseren Kindern von der guten alten Zeit.

Ich nehme mich da nicht aus. Gerade fiel es mir wieder auf, als ich auf dem Heimweg wie auf dem Rollfeld eines Flughafens von gelben Flecken, pardon, Gelben Tonnen, zu meinem Haus zurückgeleitet wurde. Ich kann mein Gebäude nun gar nicht mehr verfehlen, wie im Märchen von Hänsel und Gretel mit ihren verstreuten Kieselsteinen gibt es eine Spur, die bis zu meiner Einfahrt führt.

Das Erwartungsmanagement der Gelben Tonnen
Ein besonderer Service des Entsorgungsunternehmers, der möglicherweise auf das Abholen verzichtet, um den Kunden eine Orientierung zu geben. Wie leicht könnte man sich sonst im Dschungel der Siedlung verfahren, hilflos herumirren und verzweifelt nach Hilfe suchen.

Wie altmodisch mutet es an, dass Tonnen an dem Tag abgeholt werden, der laut gedrucktem Müllkalender angekündigt wurde. Oder der im jederzeit aktualisierbaren Online-Kalender vermerkt ist. Hier tut es Not, nicht die Müllabfuhr zu tadeln, auch nicht die Informationspolitik zu kritisieren, sondern die Anforderung der Bürger anzupassen: Erwartungsmanagement nennt man das.

Aber auch das Wetter ist ja nicht mehr, was es mal war. Neuerdings gibt es im Winter sogar Tage mit Schnee. Das ist überraschend und wenngleich Restmüll, Grünabfuhr und Papier in vermutlich heldenhafter Tapferkeit entsorgt wurden, waren die Verpackungsreste auch nach Tagen noch in ihrer gewohnten Umgebung vor den Häusern.

Was mich beruhigt, ist, dass der Missstand die Verantwortlichen offensichtlich tief berührt. Mit geradezu flehenden Worten bitten sie mich um Verständnis, ein Trend, der hoffen lässt. Egal, ob ausfallende Züge, absurde Wartezeiten bei der Hotline oder eben verspätete Müllabfuhr. Allenthalben höre oder lese ich die Bettelei um meine Einsicht, mein Einfühlungsvermögen in die komplexen Strukturen der Unternehmen.

Nein, eine Änderung der Sache ist nicht in Sicht. Und wie im zwischenmenschlichen Feld gilt auch hier, dass es einfacher ist, sich selbst anzupassen, als am Partner etwas zu bewirken. Clevere Lösungen sind gefragt: Mülltausch könnte in die richtige Richtung gehen, private Mülllager, Müllpartys, rituelle Zeremonien.

Oder ist das alles Teil eines großen Plans und dahinter steckt am Ende Greta? Wenn wir keinen Müll mehr produzieren, muss er auch nicht mehr abgeholt werden.

Ich sag ja: Auf die Erwartung kommt es an.

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Lies auch, wie alles begann: "Der Prozessionsweg der Gelben Tonnen"
Oder wie es weiterging: "Die Botschaft der Gelben Tonnen"
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Montag, 2. Februar 2026

Maschinenraum und dessen Bewohner

Maschinenraum und dessen Bewohner
Ich bin unter Deck gegangen, stehe jetzt im Frachtraum und schaue mich um. Wie gewohnt ist die Ladung gut verstaut, einige Stücke stehen auf Paletten, andere sind in Transportcontainern untergebracht, an einer Wand Fässer in Regalen festgezurrt.

Alles wirkt gewohnt, je nach Zielhafen, Route und Zwischenstationen variiert das Bild. Mal sind es mehr Paletten, mal anderes Stückgut. Auch das Volumen der Ladung ist immer ein bisschen unterschiedlich, das hängt oft auch noch mit den Jahreszeiten zusammen oder ob wir aus irgendeinem Grund zusätzlich bunkern mussten.

Und doch ist heute irgendetwas anders. Ich schaue mich um, gehe in Gedanken die einzelnen Beobachtungen durch. Die Ladungssicherung stimmt, auch die Beleuchtung ist nicht anders als sonst. Von Ferne höre ich den Schiffsdiesel dröhnen, über mir immer mal wieder Schritte, kaum wahrnehmbar auch Gespräche oder Gewerkel von irgendwelchen anderen Passagieren.

Die See ist ruhig heute, nur ein ganz leichtes Stampfen lässt vermuten, dass wir den Hafen schon vor geraumer Zeit verlassen haben. Ich gehe im Frachtraum herum, ziehe mal an diesem, mal an jenem Tampen, prüfe die Halterung der Fässer und schaue im Vorbeigehen nach den Notkästen mit Schwimmwesten und zusätzlichen Rettungsbooten.

Jetzt fällt mir auf, was heute so ungewöhnlich ist. Es sind nicht die Gegenstände um mich herum, auch nicht das Ostinato der schiffstypischen Geräusche, das gelegentliche Knarren von Verbindungen oder aneinander reibenden Teilen. Vielmehr fehlt das gelegentliche feine Quietschen der ungebetenen kleinen Nagetiere, die man unfreiwillig immer an Bord hat.

Normalerweise hört man die Ratten trippeln, gelegentlich nagen sie am Holz der Paletten herum oder fauchen sich gegenseitig an. Aber heute sind sie nicht zu hören. Sollten die Fallen alle Tiere erwischt haben, die Köder so wirksam gewesen sein oder ist es einfach noch zu früh für diese nachtaktiven Genossen?

Ich bleibe stehen, lausche und bewege mich ganz langsam zurück zum Lichtschalter, dunkel jetzt und ich lausche geduldig, ob nicht doch irgendein Lebenzeichen zu hören ist. Aber bis auf die anderen Geräusche bleibt alles still. Sie sind nicht da, da bin ich mir jetzt langsam sicher. Können sie denn alle verschwunden sein, kollektiv ihre Nester und Verstecke verlassen haben?

Auf einmal fällt mir das Sprichwort ein: „Ratten verlassen das sinkende Schiff.“ In früheren Zeiten war für Seeleute das plötzliche Verschwinden von Ratten ein Warnzeichen dafür, dass mit dem Schiff etwas nicht stimmt. Aber warum für Seeleute in früheren Zeiten, sollte nicht auch ich mich von den Nagetieren warnen lassen, ihr Verhalten zum Anlass nehmen, selbst besonders aufmerksam zu werden, mir eine Schwimmweste zu holen und mit unerwarteten Problemen rechnen? Notfalls auch mit anderen zusammen die Beiboote klarmachen und die Evakuierung vorbereiten?

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Ich öffne wieder die Augen, die Büroleuchte ist ausgeschaltet und das übliche ferne Gebrabbel menschlicher Kommunikation dringt an mein Ohr. Das ausbleibende Quietschen mag an der pausierenden Klimaanlage liegen, echte Ratten habe ich hier natürlich noch nie gesehen.

Aber vielleicht gibt es sie eben doch. Die Büro-Ratten. Diese unscheinbaren KollegInnen, die ein feines Gespür dafür haben, wenn es mit dem Unternehmen bergab geht. Die nach vielen Jahren der Treue plötzlich leise, still und heimlich die Stelle wechseln. Kaum Worte verlieren und darauf angesprochen ausweichend von neuen Herausforderungen sprechen.

Das hat nichts zu heißen, aber es könnte eben doch ein Signal sein. Es muss kein siebter Sinn sein, der hier eine Rolle spielt, vielmehr reagieren auch Ratten gar nicht durch übernatürliche Fähigkeiten, sondern weil sie extrem wachsam und aufmerksam sind. Damit sind sie sozusagen Boten mit für mich unbekannte Information, dass der Wasserstand steigt, Luken undicht sind oder in irgendeinem entfernten Bereich ein Feuer ausgebrochen ist.

Solche Antennen gilt es zu nutzen. Und hierbei unbedingt im Auge behalten, dass auch unscheinbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar fachlich unauffällig, dabei aber zu solchen Themen herausstechend gut informiert sein können. Wenn sie sich andere Aufgaben suchen, das Team wechseln, vielleicht sogar kündigen, ist also zumindest Vorsicht und erhöhte Aufmerksamkeit geboten. 

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Montag, 26. Januar 2026

Systole und Diastole im Alltag

Systole und Diastole im Alltag
Neulich beim Arzt. Die medizinisch-technische Assistentin kommt ins Sprechzimmer, legt mir eine Manschette um den Arm und pumpt sie auf, um den Blutdruck zu messen. Während sie mit einem Stethoskop hantiert und langsam die Luft aus der Blutdruckmanschette ablässt, erläutert sie mir ungefragt die beiden gemessenen Werte.

Sozusagen von oben kommend würde sie den systolischen Druck messen, also den Druck, wenn das Herz sich zusammenzieht und pumpt. Das wäre dann der höchste Druck, den meine Gefäße aushalten müssten. Nur keine Sorge, die könnten das ertragen. Und der niedrigere Druck, auch als Diastole bezeichnet wäre der Dauerdruck in meinen Blutbahnen. Eigentlich wäre das der wichtigere Wert, denn dieser Druck wäre ja immer vorhanden.
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Ich komme ins Grübeln und denke an meine Anspannungs- und Entspannungsphasen im Alltag. Das normale Leben mit seinen kleinen Widrigkeiten wäre dann der diastolische Druck, wenn aus irgendwelchen Gründen Stress aufkommt entspräche dies dem systolischen Druck. Beides durchaus beachtenswert unter dem Gesichtspunkt, wie es mir psychisch geht.

Bin ich mehr oder weniger dauerhaft angespannt, dann ist der diastolische Druck zu hoch. Um dies zu ändern muss ich mein Leben umgestalten, nach den Auslösern dieser Dauerbelastung suchen und sie beseitigen. Auf Dauer ist es schädlich, wenn man ständig unter Strom steht, von Termin zu Termin hetzt oder zu viele Dinge gleichzeitig zu erledigen versucht.

Im Sinne des diastolischen Druckes ist auch manche Lebenssituation sehr belastend. Sei es die Zerrissenheit zwischen Beruf und Familie, sei es eine kritische „Sandwich-Position“ zwischen Kunden und Lieferanten. Wer diesen Stress nicht abbauen kann, sollte nach Lösung durch Änderung der Situation suchen.

Aber auch die besonderen Lastphasen sind nicht zu unterschätzen. Wird ein realistisch nicht einzuhaltendes Ziel (zum Beispiel ein zu kurzfristiger Termin) vorgegeben, dann erzeugt es in mir einen inneren Druck auf den ich eingehen muss. Als Gegenmaßnahme kommt sehr oft eine realistische und gut begründete Neuplanung in Frage.

Auch vorübergehende Überlastung – qualitativ oder quantitativ – sorgt für einen erhöhten Maximaldruck. Neben der Erkenntnis, dem Abschätzen der Dauer und der eigenen Toleranz spielt die gegengehaltene Entspannung eine wichtige Rolle. Ob nun Yoga, die Beschäftigung mit Tieren, Sport oder ein Buch: Das ist individuell unterschiedlich, Hauptsache, die Spannung lässt nach.

Was im körperlichen wie im psychischen Umfeld aber nicht geht ist reines Ignorieren. Unerkannter oder unbehandelter Bluthochdruck führt über Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäßverkalkung und Erblindung bis zum Tod. Dummerweise merkt man oft über lange Zeit gar nicht, dass der Blutdruck zu hoch ist und schon anfängt, Schäden zu verursachen. Regelmäßige Kontrolle und Einleitung von Gegenmaßnahmen ist also äußerst empfehlenswert.

Und das gilt eben auch für Menschen, die die Herausforderung suchen, ihren Job lieben, sich als Manager unentbehrlich fühlen oder alle Menschen mit Urlaubsbedürfnis für Schwächlinge halten. Sie merken nicht, wie der Stress seine Schäden vorbereitet. Von Verlust des sozialen Umfeldes über Einengung des Weltbildes, Selbstüberschätzung, Burnout bis hin zu körperlichen Symptomen ist auch hier eine breite Palette möglicher Folgen bekannt.

In Analogie zum Check-up beim Arzt ist also auch beim arbeitsfreudigen Menschen ein regelmäßiger Selbsttest zu empfehlen. Darf man noch von hoher Motivation und überdurchschnittlichem Arbeitseinsatz sprechen oder handelt es sich schon um pathologische Ausprägungen einer Arbeitssucht (Workaholismus)?

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Die Sprechstundenhilfe ist fertig, ich glaube, sie hat in den letzten Minuten etwas über Blutdruck senkende Medikamente erklärt und schickt sich jetzt an, mir noch einen Anamnesebogen aus dem Schrank zu holen. Ich bedanke mich recht herzlich für ihre interessanten Informationen und verlasse in Gedanken vertieft den Untersuchungsraum.

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Dienstag, 20. Januar 2026

Die Botschaft der Gelben Tonnen

Die Botschaft der Gelben Tonnen
Wie schön sie dastehen, zusammengekuschelt bei der Kälte. Die Gelben Tonnen machen uns vor, wie Gesellschaft funktionieren kann. Da stehen in trautem Einvernehmen die alten Tonnen, die seit Wochen geduldig in Schnee und Regen auf ihre Abholung warten. Sie sind an Sammelpunkten zusammengekommen, vermutlich diskutieren sie ihre ungewisse Zukunft.

Denn es ist aus ihrer Sicht ja weder klar, wann sie abgeholt werden, noch wohin sie kommen und was dann aus ihnen wird. Nur gut, dass in dieser trüben Lage die neuen Tonnen dazugekommen sind. In gewisser Weise sind sie ja auch Leidtragende, denn wenngleich ihre Zukunft etwas klarer zu sein scheint, ist ihre Entleerung überfällig.

Vereinzelt könnten sie in Depressionen über die Sinnlosigkeit ihres Daseins geraten, wäre da nicht der Trost der Gruppe, der auch sie umfängt und Ihnen Hoffnung und Mut macht. Das Lied von Zarah Leander macht die Runde („Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“) und auch wenn man im eisigen Wind nur das Klappern der gelben Deckel hört, bin ich ganz sicher, dass sowohl K+R als auch Remondis das Lied hören und tatsächlich eines Tages aktiv werden.

Möglicherweise muss sich aber auch erst eine höhere Instanz einschalten, muss das Innenministerium die Gefahrenlage hochstufen und die zum Teil vermummten Tonnen als Bedrohung der nationalen Sicherheit klassifizieren. Keinesfalls sollten wir uns wundern, wenn in den nächsten Tagen Sondereinsatzkommandos gebildet und mit der Räumung beauftragt würden.

Doch am Ende stellt sich die Frage, ob die Gelben Tonnen nur ein Sinnbild für unser Leben, unsere Fremdbestimmung sind. Wie wir behandelt werden, wenn wir keinen Müll mehr aufnehmen, vergessen am Straßenrand stehen? Und wie wichtig ist die Botschaft, die uns die Entsorgungsbetriebe hier mitgeben, dass nämlich Gemeinschaft und Zusammenstehen gerade in schwierigen Zeiten elementar wichtig sind.

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Lies auch, wie alles begann: "Der Prozessionsweg der Gelben Tonnen"
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Montag, 19. Januar 2026

Eure Nicht-Planung geht auf meine Kosten

Das Telefon klingelt. Es meldet sich die Spedition, die einen Blumenkasten zu mir bringen soll. „Wir kommen am Mittwoch zu Ihnen und liefern Ihnen die Ware.“ – „Oh“, sage ich, „Mittwoch passt bei mir leider gar nicht. Geht ein anderer Tag?“ – „Ja, natürlich. In der darauffolgenden Woche. Aber da wird es dann Freitag.“ Ich stöhne innerlich, denn ich warte ohnehin schon mehrere Wochen auf den Blumenkasten, also: „Ok, dann also der vorgeschlagene Mittwoch. Wann kommt der Spediteur?“ – „Zwischen 8 und 12 Uhr.“ – „Können Sie es mir nicht etwas genauer sagen? Vielleicht plus minus eine Stunde?“ – „Leider nicht, aber der Fahrer ruft Sie vorher an.“

Nun, jeder erfahrene Speditionskunde weiß, dass die Fahrer eigentlich nie anrufen. Sie stehen einfach vor der Tür. Und auch das angegebene Zeitfenster – egal, wie groß es ist – wird gerne noch ein wenig erweitert. In meinem Fall sollte ich ab 7 Uhr bereit sein und mich auch nicht übermäßig wundern, wenn der Laster kommentarlos erst am nächsten Tag vor der Tür steht.

Warum ist das eigentlich so? Der Fahrer bekommt doch eine Route vorgegeben, man kann Erfahrungswerte zum Abladen und Fahrzeiten zwischen den Stationen berücksichtigen, ein paar Pausen und zeitliche Puffer einkalkulieren. Fast minutengenau könnte man damit vorhersagen, wann das Fahrzeug vor meiner Haustür ankommt. Aber um sich nicht festlegen zu müssen, wird alles offengehalten und werden etwaige Planungsmängel an mich abgewälzt.

Eure Nicht-Planung geht auf meine Kosten

Nur bei Speditionen? Leider nein. Ohne es explizit zu merken, ist das auch bei Arztbesuchen nahezu die Regel. Wer brav eine Viertelstunde vor dem Termin in der Praxis sitzt, kann sich per Standard auf eine mehr oder weniger lange Wartezeit einrichten. In manchen Praxen geht es weitgehend pünktlich zu, aber in anderen kann es auch Stunden dauern. Immer. Und ich habe noch nie einen Arzt erlebt, der auf mich gewartet hätte.

Und so geht es munter weiter, durch alle Situationen des Lebens. Egal, ob Finanzamt, Produktion von Einzelanfertigungen, Anfragen bei Handwerkern und Dienstleistern. Nichts Genaues weiß man nicht, nimmt halt einen Tag Urlaub oder plant die eigenen Termine flexibel um. Während sich eine Seite das Leben leicht macht leiden alle anderen Betroffenen unter der Nicht-Planung.

Das wirklich Fiese: Gegen diese Form der Risikoverlagerung ist kein Kraut gewachsen. Nur mit Gewalt und gegen massiven Widerstand kann man seine eigenen Interessen durchsetzen. Beleidigtsein auf der Gegenseite eingeschlossen, die sich in ihrem „New-easy“ ganz wohlig eingerichtet hat und die eventuell winkende Mehrarbeit nur höchst ungern annimmt. Lieber an einer kreativen Liste der Ablehnungen und Ausreden arbeiten, die von Datenschutz über Weisung-von-oben bis zu unvorhersehbaren Notfällen reicht. Und die schnell Schule macht.

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Montag, 12. Januar 2026

Aussetzer beim Intervallfasten

Da habe ich nicht schlecht gestaunt. Las ich doch dieser Tage einen kleinen Bericht im Januar-Heft der Stiftung Warentest über die aktuellen Erkenntnisse zum Intervallfasten. Kurz gesagt zeigen neue Studien:

1. Man kann mit Intervallfasten abnehmen, aber der Effekt kommt daher, dass man weniger isst, also in Summe weniger Kalorien zu sich nimmt.
2. Blutzucker, Cholesterin und Entzündungsmarker zeigen sich von Intervallfasten unbeeindruckt.
3. Intervallfasten verschiebt die innere Uhr.

Die Ergebnisse finde ich nicht gerade überraschend, in der Reihenfolge ihrer Nennung habe ich sie schon vor Jahren so kommuniziert und fühle mich jetzt nur bestätigt.

Aussetzer beim Intervallfasten

Was mich aber staunen lässt ist zum einen, warum diese Darstellung erst mit über zehn Jahren Verzögerung nach dem großen Hype auftauchen. Und zum anderen, wenn ich lese, warum die neuen Studien von den alten abweichen.

Da wurden bislang zum Nachweis der Effekte Beobachtungen von Tierexperimenten auf Menschen übertragen. Warum eigentlich, frage ich mich. Es bestand doch keine Gefahr, die Methode direkt bei homo sapiens zu verproben.

Und eine überaus naheliegende Voraussetzung wurde nicht oder zu wenig beachtet. Wenn ich auf die Betrachtung der Kalorien pro Tag verzichte, dann vergleiche ich Äpfel mit Birnen. Ähnliche Fehleinschätzung habe ich übrigens auch bei Trennkost beobachtet. Bei beiden Methoden nimmt man natürlich ab, wenn man insgesamt weniger Verwertbares zu sich nimmt, schlichtweg weniger isst.

Auf der Basis solcher Untersuchungen kann man dann sträflich unwissenschaftlich, aber griffig und gut verkäuflich irgendwelche haltlosen Behauptungen in die Welt setzen, die sich sehr schnell verselbstständigen. Eine Studie eifert der anderen nach, in manchen Fällen mögen sogar (wirtschaftliche) Interessen dahinterstecken.

Und damit es nicht zu plump aussieht, werden für Laien nicht wirklich nachvollziehbare Logikstrukturen präsentiert und Begründungen veröffentlicht. Da heißt es dann:
„Intervallfasten funktioniert, indem es dem Körper längere Pausen ermöglicht, in denen er 
-> zuerst Zucker- und dann Fettreserven zur Energiegewinnung nutzt, 
-> den Insulinspiegel senkt und 
-> so die Fettverbrennung ankurbelt. Zudem werden 
-> zelluläre "Selbstreinigungs"-Prozesse (Autophagie) angeregt, 
-> die Zellen verjüngen, 
-> die Insulinsensitivität verbessern und 
-> Entzündungen reduzieren können, was auch 
-> den Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit positiv beeinflusst.“

Wer kritisch ist, kann diese Darstellung mal Punkt für Punkt nachprüfen und findet eine Reihe von nur auf den ersten Blick plausiblen Statements, die sich als freche Behauptungen herausstellen. Und beim Durchlesen kann man auch gleich noch die Aussetzer bei Logik und Statistik entlarven. Wir brauchen offensichtlich gar keine „Fake news“ aus dem Ausland – das schaffen wir schon selbst.

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Montag, 5. Januar 2026

Mein Leben als Return-on-Invest


Mir war gar nicht klar, dass ich durch meine Geburt unter die Investoren gegangen bin. Seit dem ersten Schrei investiere ich, mal Gefühle, Zeit, Energie, später dann auch Geld. Und in jedem Fall kommt etwas zurück, mal in derselben Währung, mal in einer anderen.

Das für meine Mutter gemalte Bild wird mit liebevollem Streicheln quittiert, meine Mitgliedschaft im Sportverein gibt mir körperliche Fertigkeiten und durch die Essenseinladung meiner Angebeteten komme ich meinem Liebesziel näher.

Also, ich investiere. Aber wie sieht es mit der Gegenleistung aus, lohnt sich das überhaupt? Sind es gute Investitionen, was sagt die Bilanz zum Return-on-Invest? Ob sich der Cocktailabend für eine Liebesnacht rechnet oder ein Bordellbesuch billiger wäre lässt sich noch recht gut kalkulieren. Aber wie sieht es mit Gefühlen aus, die ich in einen Mitmenschen investiere? Kann ich einen Return erwarten, wie könnte ich ihn messen? Und ist er überhaupt ein Ziel für mich?

Mein Leben als Return-on-Invest

Ziemlich philosophische Frage. Steuere ich mein Leben nach dem, was ich für meinen – wie auch immer gearteten – Einsatz zurückbekomme oder biete ich etwas an, gehe verschwenderisch mit Liebe oder Engagement für Mitmenschen und Arbeit um und nehme entgegen, was ohne explizite Aufforderung als Gegenleistung kommt.

Wer diese Lebenssteuerung allzu naiv betreibt, der wird ausgenutzt. Niemals danach zu fragen, wie das Verhältnis zwischen eigener (Vor-) Leistung und Gegenleistung aussieht ruft Menschen auf den Plan, die dies gezielt für sich verwenden und es oft obendrein an Wertschätzung mangeln lassen. In anderem Zusammenhang würde man vielleicht auch von Schmarotzern sprechen.

Wer andererseits stets seinen eigenen Nutzen im Fokus hat, darauf achtet mindestens so viel zu erhalten, wie abgegeben wurde, der rutscht leicht in die soziale Isolation und wird bei der Zusammenarbeit als Egozentriker gemieden.

Die Lösung liegt damit auf der Hand. Sozusagen von der Seitenlinie kann man sein Leben mitverfolgen, die eigenen Handlungen und Entscheidungen registrieren und sowohl den Invest als auch den Return für sich zur Kenntnis nehmen. Inwieweit man daraus Änderungen oder gar seine Lebensstrategie ableitet, ist ein zweiter Schritt, den man bewusst gehen muss.

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