Montag, 29. Dezember 2025

Der Prozessionsweg der Gelben Tonnen

Der Prozessionsweg der Gelben Tonnen

Neuester Streich ist der Wechsel der Mülltonnen. Schon Mitte Dezember stand die neue gelbe Tonne vor dem Haus, ein Aufkleber „nicht verwenden vor 01.01.“. Ein paar Tage später wurde dann die alte Tonne noch einmal geleert und mit dem Aufkleber „Dieser Behälter wird abgeholt! Bitte stellen Sie ihn an der Straße bereit.“ versehen. Ohne Datum, also irgendwann. Inzwischen war Weihnachten, in der ganzen Gemeinde stehen die alten Tonnen auf der Straße.

Es sieht schön aus, wie der Schmuck bei der Fronleichnams-Prozession. Entlang der Straßen stehen alle paar Meter gelbe Objekte, die der dunklen Jahreszeit eine fröhliche Note verleihen. Viel öfter sollten die Tonnen getauscht und mit wechselnden Farben versehen werden. Alternativ könnte man ein Kunstprojekt für die Jugendlichen daraus machen. Monatliche Sprayer-Wettbewerbe auf den Mülltonnen, mal in diesem, mal in jenem Straßenzug.

Überhaupt sollte man die Bürger stärker einbinden. In Zusammenarbeit mit Vereinen könnte jeder Bewohner seine Tonne zu einem Sammelplatz bringen, Glühweinstand und Würstchen würden für die Ergänzung der Dienstleistung des Entsorgungsbetriebes entlohnen. Gelebte Nachbarschaft, man muss nicht immer nach der öffentlichen Hand verlangen.

Oder die Ortskirche involvieren, sternförmig entlang der gelben Stationen zur Kirche pilgern, den Rheingau-Taunus-Kreis lobpreisen und demütig für die Abholung beten. Die zeitgemäße Wiederbelebung alter Traditionen als Element der deutschen Kultur verstehen.

Schließlich wäre auch die Verlängerung der Übergangsfrist sehr schön, zum Beispiel die Zusammenlegung mit der Abholung der Christbäume. Das könnte die Jugendfeuerwehr übernehmen und neben dem Transport der nadelnden Gehölze eine kleine Spende für die Reinigung der ausgemusterten Tonnen entgegennehmen.

Nur Miesepeter werden sich über die herumstehenden Tonnen ärgern, nur Pedanten daran stoßen, dass kein Abholtermin genannt wurde. Pessimisten sehen das Management der Tonnen als Zeichen für den Niedergang der Gesellschaft, besorgte Bürger suchen Rat bei der Gemeinde.

Und dann gibt es noch diejenigen, die sich darüber wundern, wie einem Blogger dieses Thema 305 Wörter wert sein kann.

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Montag, 22. Dezember 2025

Oh, sorry, das hab ich wohl überlesen

Werfen wir mal einen Blick in die Statistik. Waren es vor einigen Jahren eher seltene Fälle, bei denen ich keine oder eine zu späte Antwort bekam, ist der Anteil inzwischen auf rund 10 Prozent gestiegen. Das hört sich wenig an, aber bei einem täglichen Mailvolumen von 50 E-Mails bleiben immerhin 5 davon unbeantwortet oder die Antwort kommt so spät, dass ich sie nicht mehr verwenden kann.

Und leider greift auch hier der Zinseszins. Am zweiten Tag sind es schon 10 Nachrichten, unter Abzug der aussortierten oder frustriert gelöschten am dritten Tag immerhin 12 und so weiter. Es bildet sich mit der Zeit ein Morast an Unbeantwortetem, Nachzufragendem, Veraltetem.

Das hab ich wohl überlesen
Wie kommt das? Frage ich nach, dann wird mir mit wenig schlechtem Gewissen mitgeteilt, dass die Zeit einfach nicht gereicht habe, die Arbeitslast zu hoch sei. Eine Grundeinstellung, die mittlerweile schick zu sein scheint, denn auch an mir geht die zunehmende Verdichtung nicht spurlos vorbei. Trotzdem gelingt es mir bis auf seltene Ausnahmen, jede E-Mail kurzfristig zu bearbeiten. Was mir leichter fiele, wenn sie beim Empfänger dann auch gelesen und bearbeitet oder weitergespielt würde.

Als zweiter Punkt höre ich dann - zum Teil mit vorwurfsvollem Unterton - dass sich die Person entweder gar nicht angesprochen gefühlt hat oder zumindest nicht erkannt hat, dass sie etwas machen sollte. Oder nicht wusste, wie oder was sie machen sollte. Warum nachfragen, wenn der Absender sicher noch mal nachlegt, sofern er keine Antwort bekommt. Der Absender degradiert zum Bittsteller, würden die Kollegen das auch machen, wenn sie Post vom Vorstand bekämen?

Das muss ich - dritte Ausrede - überlesen haben. Ja, jetzt wo ich nachfrage und den Punkt noch mal herausarbeite, die Textstelle markiere und auf eine Antwort dränge, ja, jetzt wird mein Antritt klarer. Aber wieso steht das erst im zweiten Satz oder unter dem erläuternden Screenshot? Ich freue mich, weil meine E-Mail zumindest geöffnet wurde, aber leider hat es nicht gereicht, sie auch nur bis zum zweiten Satz zu lesen.

Wenn jemand denkt, damit wären die Fälle beschrieben und nach Klärung würde es jetzt weitergehen: Weit gefehlt. Selbst wenn die Gegenseite die E-Mail nach Aufforderung gelesen, die Botschaft verstanden, den Auftrag angenommen und mir einen Zieltermin für die Lieferung genannt hat, ist nicht zwingend zu erwarten, dass ich wirklich etwas bekomme.

Erneut landet mein Postausgang in der Wiedervorlage, unter Verweis auf unerwartete Umstände oder den durch meine Nachfrage unter Druck genannten unrealistischen Termin geht es nach wie vor nicht weiter. Zum Teil geht das dann in die zweite, dritte, vierte Runde. Was zeigt, dass in vielen Fällen andere Randbedingungen hinderlich sind, weniger die vorgebliche Arbeitslast.

Ich spreche von der Konsequenzlosigkeit, die die Motivation und Priorisierung der Bearbeitung negativ beeinflussen. Garniert mit dem Nachlassen eines kollegialen Verständnisses, denn jede nicht erledigte Arbeit und jede Nachfrage erzeugt ja auf meiner Seite wieder Zusatzaufwand.

Ein Weg aus dem Dilemma wäre die Vorgabe eines Zeitrahmens für Reaktionen auf E-Mails, die Anweisung, dass jeder Posteingang innerhalb von zwei Werktagen zu beantworten, bearbeiten oder weiterzuleiten ist. Das geht allerdings nicht als einfache Order, die den Mitarbeitern übergestülpt wird. Schnell bilden sich diverse Umgehungsstrategien aus, die Ausreden werden geschickt angepasst.

Vielmehr braucht man einen Kulturwandel, muss behutsam wieder zurückdrehen, was sich da als Mode etabliert hat. Es ist schon auffallend, mit welcher Energie sich manche Menschen bei einer Tasse Kaffee ausführlich über ihre unerträgliche Arbeitsmenge beschweren, nach Rückkehr an den Arbeitsplatz aber keine Anstalten machen, dieser Menge auch Herr zu werden. Kollegen als Partner für einen gemütlichen Kaffeeklatsch gerne, als Informationsbedürftigen oder gar Anforderer ungerne. Auf dieser Mikroebene lässt sich die soziale Struktur, der Umgang mit- und füreinander wieder auf ein Niveau zurückführen, von dem letztlich alle profitieren.

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Montag, 15. Dezember 2025

Wind und Segeln und Leben

Als die Menschheit die Fortbewegung mit Windkraft entdeckt hat, wurde schnell klar, dass hierzu eine gewisse Fertigkeit notwendig ist. Man kann nicht einfach eine Fläche (Segel) in die Luft halten und erwarten, dass es in die gewünschte Richtung geht. Vielmehr muss das Segel gegenüber der Bewegungsrichtung drehbar sein und das Objekt (Schiff) muss sich überhaupt bewegen lassen und einen gewissen Kurs fahren können. Letzteres ist nur möglich durch den Einsatz einer Finne oder eines Schwertes in Kombination mit dem Ruder.

Überraschende Erkenntnis der Segler ist dabei, dass der schnellste Kurs nicht etwa der Vorwindkurs (also in Windrichtung) ist, sondern der etwas schräg zu diesem ausgerichtete Raumwindkurs. Begründung: In dieser Konstellation sind die Segel breiter gefächert als beim Vorwindkurs und der Fahrtwind (!) kann besser an ihnen vorbeistreichen.

Und man kann auch vorankommen, wenn der Wind aus Richtung des Zieles kommt, man also Gegenwind hat. Der Segler fährt dann Zickzack schräg gegen den Wind (Amwindkurs) und nähert sich so nach und nach dem Ziel.

Wind und Segeln und Leben

Analogien für den Alltag

Man braucht Wind

Ohne Energie geht gar nichts, entweder kommt sie von außen, also von anderen Menschen oder von innen. Sein eigenes Leben zu verändern, seine Position zu verlassen oder etwas neues anzugehen erfordert in jedem Fall Kraft. Manchmal kommt der Lebenswind unvermittelt, zum Beispiel durch Kündigung einer Stelle oder Ende einer Partnerschaft. Dann wird man zur Bewegung gezwungen. Oder man hat den Wunsch nach Veränderung und macht sich auf einen mehr oder weniger mühsamen Weg.

Man braucht ein Segel

Ohne Entgegennahme der Energie aus dem Wind bleibt man trotzdem auf der Stelle stehen oder wackelt und wankt lediglich im Luftzug. Sich der anstehenden Bewegung zu stellen, egal ob man sie selbst initiiert hat oder sie extern aufgedrückt wird, sie als gegeben zu akzeptieren und auf sie einzulassen. Veränderung heißt immer ein Verlassen der aktuellen Position, was nahezu immer mit einem Übergangszustand einhergeht, der unkomfortabler ist als gewohnt.

Man muss sich bewegen wollen / können

Veränderung ist Chance, bekommen wir immer erzählt. Nun ja, das ist nicht immer der Fall, aber wenn sie nun mal ansteht ist es besser, sie mitzumachen und bestmöglich mitzugestalten. Bei den von außen eingeleiteten Bewegungen ist es also mehr oder weniger der Wille, bei den inneren Veränderungswünschen ist es eher das Können. Wieviel Gestaltungsspielraum man für die Veränderung hat ist sehr unterschiedlich, aber die Frage ist nach der Einschätzung und dem Ausnutzen des Rahmens.

Man braucht eine Stabilisierung

Wenn man bei einem Schiff das Schwert einfährt und das Ruder freigehen lässt, erhält man einen Schlingerkurs oder eine Drehbewegung auf der Stelle. Eine zielgerichtete Fahrt ist nicht möglich und so ist es auch im Leben, wenn man allen Impulsen nachgeht, kein Lebensziel hat oder andere Orientierungen. Auch ein vertrauter Mitmensch oder Partner kann diese Funktion übernehmen, bei Karriereschritten beraten oder Empfehlungen zu Veränderungen geben.

Man muss lenken können

Ohne Ruder geht es nicht, auch die Ausrichtung der Segelflächen spielt eine Rolle. Und neben der Navigation ist auch der Rudergänger ein wichtiger Teil des Teams. Es genügt nicht zu wissen wo man hinwill, auch die Bestimmung der Windrichtung, die Nutzung der Energie oder der Gunst der Stunde sind zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Man muss dieses Ziel auch verfolgen können, eventuell ein wenig manövrieren, wenden und halsen und überhaupt auch Hindernissen ausweichen können. Nicht gerade selten wechselt der Wind auch seine Richtung, kommt die Unterstützung im Leben von anderer Seite, muss der fest eingeplante Teampartner ersetzt werden.

Der schnellste Kurs ist nicht mit dem Wind

Stellt sich ein Erfolg ein, dann hat man es in vielen Fällen auch gleich mit Neidern zu tun. Die Unterstützer sind dann zwar immer noch hilfreich, aber die offenen oder verdeckten Gegenspieler treten deutlicher in Erscheinung. Hier kann es sinnvoll sein, eher im Schatten zu agieren, also die großen und sichtbaren Erfolge einer anderen Person zu überlassen, die dann im Rampenlicht steht. Im Endeffekt kommt man so schneller an sein Ziel, jedenfalls aber mit geringerem Energieaufwand.

Man kann auch bei Gegenwind vorankommen.

Nur weil es auf direktem Weg nicht geht, heißt es nicht, dass man sein Ziel nicht erreichen kann. Analog zum Zickzack-Kurs des gegen den Wind segelnden Bootes muss man Zwischenziele anpeilen, die zwar in Richtung des Fernzieles liegen, aber nicht auf direkter Linie. Im beruflichen Umfeld spricht man von Quereinsteigern, kennt man die Chance, die Praktikanten oft eingeräumt werden oder Einsätzen in Nachbarabteilungen, bei denen man sich profilieren kann. Im privaten Umfeld kann es die Kontaktaufnahme über einen Freund sein oder die Verfolgung eines gemeinsamen Hobbys.

Der Wind ist dein Freund

Am Ende gilt jedenfalls die alte Segler-Weisheit "Der Wind ist dein Freund", er kann dich befördern, er kann dich auch umwerfen. Nimm ihn als guten Partner, es ist sinnlos, sich ihm entgegenzustellen.

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Montag, 8. Dezember 2025

Ist mein Leben einfach?

"Ich habe nächste Woche meinen Check-up beim Arzt, was wohl dabei herauskommen mag?" - "Hm", sage ich. - "Beim letztem Mal war ja nichts dabei, aber die Leberwerte wollte er im Auge behalten und die kleine Zyste könnte gewachsen sein." - "Ja", sage ich, "das sollte man alles beobachten, die Vorsorge ist sicher sinnvoll und ich bin gespannt, was dabei herauskommt."

Ist mein Leben einfach
Damit ist das Thema für mich erledigt. Aber mein Gesprächspartner lässt nicht locker: "Wenn der Blutdruck weiter angestiegen ist, dann sollten wir über eine Behandlung sprechen. Das war vor zwei Jahren schon mal ein Thema. Im Internet habe ich gelesen, dass man das nicht auf die leichte Schulter nehmen darf."

"Hmja" sage ich in Gedanken, bin schon längst bei anderen Themen angekommen und denke an die Lösung zu einem Problem, das ich zusammen mit meinen Kollegen lösen muss. Einige Informationen liegen uns schon vor und alles deutet auf die Ursache in einer falsch konfigurierten Firewall, aber solange wir die Einstellungen nicht auf dem Tisch haben, kommen wir nicht weiter.

Also anderes Thema. Ich gehe im Geist die E-Mails von gestern Nachmittag durch, da war doch noch eine Nachricht zu beantworten, nur welche war das noch?

Derweil hat mein Gegenüber seine Gedankenwelt zum anstehenden Arztbesuch weiter ausgebaut, berichtet mir von widersprüchlichen Informationen im Internet, seinen Recherchen bei ChatGPT, seinen Überlegungen, wenn sich die Leberwerte weiter verschlechtert haben und ein bösartiges Karzinom dahintersteckt. Ich werde über die Krebswahrscheinlichkeit informiert, mögliche Therapien, das Sterberisiko und so weiter. Und auch zur Schilddrüse und ihren möglichen Fehlfunktionen gibt es Vieles zu erfahren.

"Akut ist doch gar kein gesundheitliches Problem zu erkennen, ich würde erst mal die Untersuchung abwarten", versuche ich zu beschwichtigen. Das hilft nichts, die Angstspirale ist schon angelaufen, wild durcheinander werden alle möglichen Szenarien durchdacht, wie unwahrscheinlich sie im objektiven Sinne auch sein mögen. Rationales Denken ist blockiert, im Kopf ist ein Schachbrett entstanden, auf dem man versucht, die nächsten Züge des Gegners Körper zu antizipieren.

Im Kern angekommen: Unser Leben ist komplex, je deutlicher man das erkennt und akzeptiert, desto leichter tut man sich mit dem Alltag. Wie wir aus den entsprechenden Theorien kennen, gibt es nur für einfache oder komplizierte Probleme eine eindeutige oder zumindest empfehlenswerte Lösung.

Wenn es undeutlich wird, uns Informationen fehlen, Entwicklungen unabsehbar sind oder zu viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen, dann können wir nur ausprobieren und schauen, was passiert. Und das ist einfach.

Arztbesuch in der Zukunft? Warum sollte ich allzu tief darüber nachdenken, was passier? Warum mich mit dem Firewall-Problem beschäftigen, solange ich noch keine Protokolldatei habe? Intensive Arbeit in die Montage meiner Karriereleiter stecken, wenn plötzlich ein Steigbügelhalter erscheinen kann oder ein Heckenschütze?

Nein, Szenarien sind eine feine Sache, aber sie müssen im einzelnen Fall sinnvoll (weil Betrachtung wahrscheinlicher Fälle) sein und dürfen nicht zu viele Schritte in die (von Natur aus) ungewisse Zukunft machen. Viel praktischer und für den Alltag brauchbarer ist die Betrachtung einer Situation, Beurteilung der Informationslage und des eigenen Handlungsspielraums. Wenn ich ohnehin keinen Einfluss auf die Entwicklung habe (Ergebnisse und eventuelle Weiterbehandlung beim Arzt), dann muss ich Geduld an den Tag legen und auf die eintretende Situation flexibel reagieren.

Natürlich ist es etwas anderes, wenn man einen "Plan B" braucht, aus Erfahrung eine Alternativlösung in petto haben muss. Ich denke an Zuganschlüsse oder Einkaufslisten für Essenszubereitungen. Da ist es sicher sinnvoll, für den Zugausfall vorbereitet zu sein beziehungsweise ein anderes Rezept herausgesucht zu haben (weil man eine wichtige Zutat nicht bekommt). Oder auch andere Situationen im Leben oder bei der Arbeit oder im Umgang mit Mitmenschen, für die man sich einen Schritt im Voraus überlegen kann. Aber nur einen.

Und so wird ein maximal komplexes System wie das eigene Leben auf einmal in seinen Auswirkungen erheblich vereinfacht. Statt der Grübeleien, statt des Schachspiels im Kopf ist Zeit für den Alltag, die Beschäftigung mit einem gewünschten Ziel und die Energie für unvermeidliche Anpassungen und geschicktes Parieren einer neuen Situation. Nur nicht starr an den vergangenen Entscheidungen festhalten, immer schön einen Schritt (und eine Entscheidung) nach der anderen.

Das ist einfach und macht es einfach.


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Montag, 1. Dezember 2025

Der Teufel steckt im Detail

Der Teufel steckt im Detail
Gute Präsentation, sehr überzeugende Beispiele, verständlich und nachvollziehbar. Der Referent zeigt seine Folien kurzweilig, hat eine funktionierende Live-Demonstration vorbereitet und ist bei allen Fragen sattelfest. Und dann meldet sich ein Zuhörer "Ja, für Standardfälle funktioniert es, aber der Teufel steckt im Detail."

Das musste ja kommen. Ab diesem Punkt könnte man dann auch rausgehen, einen Kaffee trinken, dabei innerlich dem bedauernswerten Referenten und dem ebenso bedauernswerten Hüter des Zeitmanagements zu gedenken. Durch diesen Satz wird eine Konjunktiv-Diskussion eingeleitet, in der darüber spekuliert wird, ob dieser oder jener Sonderfall mit dem dargestellten Szenario abbildbar ist. Und an irgendein früheres Projekt erinnert wird, in dem ein zunächst unterschätztes Problem zum Genickbruch geführt hat.

Es ist vielleicht gar nicht böse gemeint, aber wie man an anderer Stelle sagen würde eine Killerphrase. Ja, natürlich steckt der Teufel im Detail. Und es wird ganz sicher Fälle geben, die mit dem neuen Ansatz nicht behandelt werden können, oder vielleicht nur mit deutlich erhöhtem Aufwand funktionieren. Aber das stimmt grundsätzlich und ist entweder allgemeingültig nebensächlich oder selbst im spezifischen Fall zum aktuellen Zeitpunkt bestenfalls eine Szenario-Debatte.

Das Gefährliche an diesem wenig hilfreichen Hinweis: Er beflügelt die Phantasie. Die anderen Zuhörer konzentrieren sich nun gar nicht mehr auf das eben Gehörte, sondern überlegen, welche Teufel mit welchen Details sie zur Debatte beitragen können. Der Fokus schwenkt komplett von konstruktiv zu destruktiv, Chancen werden zu Risiken, Fortschritt zur Bedrohung.

Ein kleiner dahergeworfener Schneeball wird zur Kugel, wird zur Lawine. Frühzeitig abblocken, die munter in Gang kommende Diskussion im Keim zu ersticken ist kein Zeichen der Unsicherheit, sondern die einzige Chance, ungeschoren herauszukommen und das Thema im Auditorium zu positiver Erinnerung zu manövrieren. So schwammig wie der Hinweis auf potentielle Probleme kann auch die Antwort eine globale Phrase wie die Aussicht auf irgendwelche weiteren Entwicklungen sein. Die sich natürlich auch an Erfahrungen aus der Vergangenheit orientieren und den werten Kollegen einbinden.

Und jetzt weiter im Text.

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Montag, 24. November 2025

Wieder mal einen Korb bekommen

In meiner Schulklasse gab es Peter und Klaus. Wie wir alle waren sie natürlich an Kontakten zu Mädchen interessiert, mehr oder weniger offen war es ein Dauerthema, wer welches Mädchen angesprochen hatte. Bis dahin waren die beiden also mit dem gleichen Ziel unterwegs, hatten einen halbwegs vergleichbaren Geschmack und ließen ihre Gedanken darum kreisen, wer mit wem gehen könnte.

Aber das war es dann auch mit der Gemeinsamkeit. Während Peter einfach drauflos jedes Wesen mit zwei Beinen und Busen ansprach, drehte Klaus seine Runden, wog dies und das ab, erkundigte sich nach Geschwistern, Hobbys, bisherigen Freunden und so weiter. Nach ausführlicher Betrachtung und unter Einschätzung des Risikos passte er einen geeigneten Moment ab, nahm seinen ganzen Mut zusammen und versuchte die Auserwählte für sich zu gewinnen.

Nun waren die Mädchen natürlich nicht so einfach herumzukriegen, hatten auch ihre Vorstellungen von einem Freund und ließen sich von ihren Freundinnen beraten. Und da kam der ruhige Klaus einfach nicht so gut weg. Ohne allzu sorgfältige Betrachtung traf er auf kollektive Skepsis, um nicht zu sagen Ablehnung. In Kombination mit seiner sensiblen Art nahm er sich jede Absage zu Herzen und war enttäuscht über die gemeine Abfuhr, die nach und nach auch an seinem Selbstbewusstsein nagte.

Derweil wurde Peter von Freundin zu Freundin weitergereicht, und auch wenn er kichernd als Casanova und oberflächlicher Draufgänger kolportiert wurde, war sein Zimmer selten leer. Im Gegensatz zum Sofa von Klaus. Nach seinen misslungenen Versuchen wurde er noch zurückhaltender, jeder weitere Korb für ihn eine Bestätigung seines niedrigen Marktwertes. Fast könnte man sagen wie beim Spiel Monopoly oder angelehnt an den Spruch "Geld zu Geld".

Wieder mal einen Korb bekommen
Womit ich beim Thema wäre, denn vor einigen Wochen war ich auch wieder auf Freiersfüßen. Nicht, dass ich ein Mädchen gesucht hätte und auch der Kontakt zu anderen Personen stand nicht im Mittelpunkt. Vielmehr war mein Antritt, Geld für eine Veranstaltung einzuwerben, Förderer zu finden, Sponsoren für mich zu gewinnen. Und da ging es mir wie Klaus. Ohne mich eines Blickes zu würdigen, mein Projekt auch nur ansatzweise zu betrachten, erhielt ich eine Absage nach der anderen. Mal war es ein offensichtlich irgendwann mal vorbereiteter Standardtext, mal war es eine geradezu schroffe Abfuhr, in vielen Fällen noch nicht mal irgendeine Antwort. Fragte ich nach, wurde mir mit recht deutlichen Worten dargestellt, dass keine Antwort in diesem Zusammenhang auch eine Antwort im Sinne einer Absage wäre.

Ich kam mir vor wie Klaus oder ein Bettler, der gefälligst erst mal arbeiten sollte, bevor er von anderen Leuten ein Almosen erwartet. Firmen mit Millionenumsatz konnten sich nicht dazu durchringen, mein Projekt mit sozialem Schwerpunkt in dreistelliger Eurohöhe zu unterstützen. Wie leicht kann man als hübsches Mädchen den Kopf herumwerfen, den hinterherschwingenden Pferdeschwanz in Szene setzen und sich im Davonstürmen darüber mokieren, wie man auch nur auf die Idee eines Antrags kommen konnte. Und wie leicht ist es, an der Kundenschnittstelle diesen lästigen Bittsteller abzuweisen und die eigene Macht über das vermutlich vorhandene Fördergeld voll auszuleben.

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Montag, 17. November 2025

Den anderen geht es genauso

Die Augen wollen nicht aufgehen. Der Schlaf sitzt noch fest, der Wecker könnte gut und gerne noch mal eine Stunde Ruhe geben. Aber er piepst unerbittlich vor sich hin, das Ende der Schlafenszeit ist erreicht, der Nachtschlaf zu Ende. Ich lasse die Augen noch einen Moment geschlossen und frage mich, ob ich unruhig geschlafen habe, ob ich zwischendurch wach war, schlecht geträumt habe oder schlicht gestern Abend zu spät ins Bett gegangen bin.

Den anderen geht es genauso
Nein, ich kann keine Ursache für meine Müdigkeit herausbekommen. Es gibt keinen Grund, warum ich so schläfrig bin. Mit halb geschlossenen Augen schlurfe ich zum Bad, dies und das einschließlich Dusche und der anschließenden Tasse Kaffee in der Küche. Ein wenig munterer bin ich, aber so richtig in Schwung komme ich einfach nicht. Es scheint nicht mein Tag zu sein, irgendwie muss ich ihn über die Runden bringen.

Weg zum Bahnhof, Bahnfahrt, Fußweg zum Büro. Einigermaßen wach, aber insgesamt recht tranig und nur mit halber Aufmerksamkeit dabei. Alles läuft, aber nur mit gebremster Geschwindigkeit. Und dann fällt mir auf, dass ich nicht alleine bin. Meinen Kollegen geht es genauso. Und vorhin in der Bahn – da war es doch heute auch ungewöhnlich ruhig, geradezu schläfrig. Kann es denn sein, dass die alle so unausgeschlafen und müde sind wie ich? Dass wir kollektiv nicht die notwendige nächtliche Erholung gefunden haben?

Es gibt Menschen, die dieses Phänomen auf das Wetter schieben, andere sind davon überzeugt, dass es etwas mit den Mondphasen zu tun hat. Aber egal, welche Erklärungen man sucht, es bleibt bei der Erkenntnis, dass es oft kein individuelles Problem ist. Selbst die im ersten Moment als Verursacher identifizierten Nackenschmerzen oder die eingeschlafenen Arme sind meist nicht Ursache, sondern Wirkung. Irgendwelche Impulse von außen nehmen Einfluss und legen sich wie eine Dämpfung auf die Gemeinschaft.

Daraus folgt einerseits, dass es die allgemeine Stimmung noch nicht hebt, wenn man selbst mit einer wachen Haltung gegenhält. Und es heißt andererseits auch, dass sich der eine oder andere Mitmensch noch abgeschlagener fühlt. An solchen Tagen muss man sich nicht nur selbst auf die notwendigsten Arbeiten beschränken, man sollte auch nicht zu viel von seinem Umfeld erwarten.

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