Da habe ich nicht schlecht gestaunt. Las ich doch dieser Tage einen kleinen Bericht im Januar-Heft der Stiftung Warentest über die aktuellen Erkenntnisse zum Intervallfasten. Kurz gesagt zeigen neue Studien:
1. Man kann mit Intervallfasten abnehmen, aber der Effekt kommt daher, dass man weniger isst, also in Summe weniger Kalorien zu sich nimmt.
2. Blutzucker, Cholesterin und Entzündungsmarker zeigen sich von Intervallfasten unbeeindruckt.
3. Intervallfasten verschiebt die innere Uhr.
Die Ergebnisse finde ich nicht gerade überraschend, in der Reihenfolge ihrer Nennung habe ich sie schon vor Jahren so kommuniziert und fühle mich jetzt nur bestätigt.
Was mich aber staunen lässt ist zum einen, warum diese Darstellung erst mit über zehn Jahren Verzögerung nach dem großen Hype auftauchen. Und zum anderen, wenn ich lese, warum die neuen Studien von den alten abweichen.
Da wurden bislang zum Nachweis der Effekte Beobachtungen von Tierexperimenten auf Menschen übertragen. Warum eigentlich, frage ich mich. Es bestand doch keine Gefahr, die Methode direkt bei homo sapiens zu verproben.
Und eine überaus naheliegende Voraussetzung wurde nicht oder zu wenig beachtet. Wenn ich auf die Betrachtung der Kalorien pro Tag verzichte, dann vergleiche ich Äpfel mit Birnen. Ähnliche Fehleinschätzung habe ich übrigens auch bei Trennkost beobachtet. Bei beiden Methoden nimmt man natürlich ab, wenn man insgesamt weniger Verwertbares zu sich nimmt, schlichtweg weniger isst.
Auf der Basis solcher Untersuchungen kann man dann sträflich unwissenschaftlich, aber griffig und gut verkäuflich irgendwelche haltlosen Behauptungen in die Welt setzen, die sich sehr schnell verselbstständigen. Eine Studie eifert der anderen nach, in manchen Fällen mögen sogar (wirtschaftliche) Interessen dahinterstecken.
Und damit es nicht zu plump aussieht, werden für Laien nicht wirklich nachvollziehbare Logikstrukturen präsentiert und Begründungen veröffentlicht. Da heißt es dann:
„Intervallfasten funktioniert, indem es dem Körper längere Pausen ermöglicht, in denen er
-> zuerst Zucker- und dann Fettreserven zur Energiegewinnung nutzt,
-> den Insulinspiegel senkt und
-> so die Fettverbrennung ankurbelt. Zudem werden
-> zelluläre "Selbstreinigungs"-Prozesse (Autophagie) angeregt,
-> die Zellen verjüngen,
-> die Insulinsensitivität verbessern und
-> Entzündungen reduzieren können, was auch
-> den Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit positiv beeinflusst.“
Wer kritisch ist, kann diese Darstellung mal Punkt für Punkt nachprüfen und findet eine Reihe von nur auf den ersten Blick plausiblen Statements, die sich als freche Behauptungen herausstellen. Und beim Durchlesen kann man auch gleich noch die Aussetzer bei Logik und Statistik entlarven. Wir brauchen offensichtlich gar keine „Fake news“ aus dem Ausland – das schaffen wir schon selbst.
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