Das Telefon klingelt. Es meldet sich die Spedition, die einen Blumenkasten zu mir bringen soll. „Wir kommen am Mittwoch zu Ihnen und liefern Ihnen die Ware.“ – „Oh“, sage ich, „Mittwoch passt bei mir leider gar nicht. Geht ein anderer Tag?“ – „Ja, natürlich. In der darauffolgenden Woche. Aber da wird es dann Freitag.“ Ich stöhne innerlich, denn ich warte ohnehin schon mehrere Wochen auf den Blumenkasten, also: „Ok, dann also der vorgeschlagene Mittwoch. Wann kommt der Spediteur?“ – „Zwischen 8 und 12 Uhr.“ – „Können Sie es mir nicht etwas genauer sagen? Vielleicht plus minus eine Stunde?“ – „Leider nicht, aber der Fahrer ruft Sie vorher an.“
Nun, jeder erfahrene Speditionskunde weiß, dass die Fahrer eigentlich nie anrufen. Sie stehen einfach vor der Tür. Und auch das angegebene Zeitfenster – egal, wie groß es ist – wird gerne noch ein wenig erweitert. In meinem Fall sollte ich ab 7 Uhr bereit sein und mich auch nicht übermäßig wundern, wenn der Laster kommentarlos erst am nächsten Tag vor der Tür steht.
Warum ist das eigentlich so? Der Fahrer bekommt doch eine Route vorgegeben, man kann Erfahrungswerte zum Abladen und Fahrzeiten zwischen den Stationen berücksichtigen, ein paar Pausen und zeitliche Puffer einkalkulieren. Fast minutengenau könnte man damit vorhersagen, wann das Fahrzeug vor meiner Haustür ankommt. Aber um sich nicht festlegen zu müssen, wird alles offengehalten und werden etwaige Planungsmängel an mich abgewälzt.
Nur bei Speditionen? Leider nein. Ohne es explizit zu merken, ist das auch bei Arztbesuchen nahezu die Regel. Wer brav eine Viertelstunde vor dem Termin in der Praxis sitzt, kann sich per Standard auf eine mehr oder weniger lange Wartezeit einrichten. In manchen Praxen geht es weitgehend pünktlich zu, aber in anderen kann es auch Stunden dauern. Immer. Und ich habe noch nie einen Arzt erlebt, der auf mich gewartet hätte.
Und so geht es munter weiter, durch alle Situationen des Lebens. Egal, ob Finanzamt, Produktion von Einzelanfertigungen, Anfragen bei Handwerkern und Dienstleistern. Nichts Genaues weiß man nicht, nimmt halt einen Tag Urlaub oder plant die eigenen Termine flexibel um. Während sich eine Seite das Leben leicht macht leiden alle anderen Betroffenen unter der Nicht-Planung.
Das wirklich Fiese: Gegen diese Form der Risikoverlagerung ist kein Kraut gewachsen. Nur mit Gewalt und gegen massiven Widerstand kann man seine eigenen Interessen durchsetzen. Beleidigtsein auf der Gegenseite eingeschlossen, die sich in ihrem „New-easy“ ganz wohlig eingerichtet hat und die eventuell winkende Mehrarbeit nur höchst ungern annimmt. Lieber an einer kreativen Liste der Ablehnungen und Ausreden arbeiten, die von Datenschutz über Weisung-von-oben bis zu unvorhersehbaren Notfällen reicht. Und die schnell Schule macht.
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