Montag, 16. März 2026

Lebensmanagement

Früher nannte man es Philosophie, da gab es einen Studiengang, der von bedächtig wirkenden Personen belegt wurde. Meist schrieben sich diese Menschen irgendwann nach dem Abitur ein, besuchten Vorlesungen, Seminare, Diskussionsrunden und so weiter. Nur der Abschluss ließ auf sich warten, in diesem Fach traf man die meisten Ewigstudenten.

Wer mit Philosophen spricht oder deren Texte liest, der muss sich auf harte Kost einstellen. Wenig verständlich leben sie in einer eigenen Welt, beschäftigen sich mit Themen, die den meisten Normalsterblichen fremd sind und drücken sich so kompliziert aus, dass selbst geistig rege Gesprächspartner ihnen nicht folgen können. Aber das scheint auch gar nicht ihr Antritt zu sein. Sätze über eine ganze Seite, Verschachtelungen und Verweise auf andere Philosophen oder die eigenen Texte in anderem Kontext machen die Veröffentlichungen zu einem Labyrinth.

Lebensmanagement

Heraus kommen komplizierte Gedanken, die sich kaum im Alltag umsetzen lassen. Das Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung der Menschen in der Welt endet in ausgesprochen abstrakten Überlegungen. Wer klare Antworten erwartet oder gar Handlungsempfehlungen ableiten möchte, wird im Wesentlichen enttäuscht.

Aber vielleicht ist es ja auch eine aussterbende Wissenschaft. Abgelöst in der heutigen Welt durch eine Form von Management, konkret von Lebensmanagement. Einen separaten Studiengang hierzu gibt es nicht, aber ich stelle mir vor, dass dort sehr anwendungsbezogen geforscht würde. Mit den einfachen Worten auf dem Niveau der Bildzeitung könnten Fälle beschrieben, Diskussionen im RTL-Format übertragen und Erkenntnisse evaluiert würden.

Schnell würde man eine eigene Plattform ins Leben rufen, orientiert an Tiktok die neuesten Reels zu Erwartungsmanagement posten oder sich mit dem Thema Enttäuschungsmanagement beschäftigen. Alles kostenlos, niedrigschwellig, leichtverdaulich. Voraussetzung ist kein Studium, sondern nur ein Handy mit Kamera und der innere Auftrag, seinen Mitmenschen die Annehmlichkeiten des eigenen Lebens nahezubringen.

Was so oder so auf der Strecke bleibt: Die Antwort nach dem Sinn des Lebens. Ob nun eine verklausulierte Nicht-Antwort oder eine poppig-bunte Ausweich-Antwort: Auf der Suche nach meinem persönlichen Weg werde ich alleine gelassen. Kein Wunder also, dass viele verunsicherte Konsumenten orientierungslos in Scharen mal diesem, mal jenem Trend und Influenzer hinterherlaufen. Wo das Ziel nur verschwommen zu erkennen ist, ist leider auch viel Platz für Verführung.

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