An Sommertagen bietet es sich an, die Arbeit in den Keller zu verlagern, wenn man kann. Als Fluchtort vor der Hitze draußen und in den oberen Etagen des Hauses kann man sich ein wenig abkühlen und dabei je nach Möglichkeit etwas Sinnvolles machen. Aufräumen zum Beispiel. Was sich so über die letzten Monate angestapelt hat und wieder in die Regale der Vorratsräume soll. Oder was eigentlich weggeschmissen werden kann, weil es seit längerer Zeit nicht gebraucht wurde und ehrlicherweise auch in absehbarer Zukunft hier keine Verwendung mehr hat.
Bei der Gelegenheit räume ich auch die sperrigen Pappkartons von rechts nach links, die ich beim Umzug verwende. Verwendet habe. Denn ich bin ja schon viele Jahre nicht mehr umgezogen und so Gott will werde ich auch nicht mehr umziehen. Es könnte schon sinnvoll sein, noch einige wenige Kartons aufzubewahren, vielleicht will ich mal sperrigen Kram ausmisten oder die Umzugskartons jemandem aus der Nachbarschaft ausleihen. Aber der Rest kann weg, verkaufen, verschenken, Altpapier - egal.
Umzugskartons sind ja irgendwie ein Sonderfall. Selbst Menschen mit Freude an Erinnerungen heben diese Faltboxen nicht auf, weil sie darin die Socken ihrer Tochter transportiert haben. Oder die T-Shirts ihres ersten Ehemanns. Nein, diese Pappkameraden sind nützlich, aber kein bisschen emotional oder erinnerungsbeladen.
Und doch kommen mir im kühlen Keller ein paar Gedanken zu Umzug, Verlassen von gewohnten Orten und Anfang an neuen Orten. Wörtlich oder im übertragenen Sinne. Wechsel der Arbeitsstelle, des Sportvereins, der Clique. Und irgendwann ist man dann angekommen, wechselt nicht mehr, vielleicht, weil man zu alt wird, weil man den Aufwand oder die Unsicherheit scheut oder weil man einfach nur zufrieden mit dem Status quo ist.
Die Umzugskartons im Kopf können weggeräumt, entsorgt werden. Nein, mein Haus verlasse ich nicht mehr, meiner Arbeitsstelle gedenke ich treu zu bleiben, meiner Frau erst recht, auch in meinem Freundeskreis steht kein Wechsel an. Umzug ist nicht mehr geplant, höchstens ein wenig hin- und herräumen. Es ist weniger die Bequemlichkeit als vielmehr die Erkenntnis, was ich an meiner aktuellen Situation habe. Garniert mit allerlei Erfahrungen und Berichten von Mitmenschen, wie es schlechter sein könnte.
Die Phase des Suchens ist vorbei. Weder schaue ich in Immoscout nach einer anderen Immobilie, noch suche ich hektisch nach einem neuen Auto. Selbst Stellenangebote nehme ich gerne zur Kenntnis, aber wie für die vorgenannten Punkte achte ich sorgfältig darauf, dass ich mich nicht verschlechtere. Nein, aus der jugendlichen Phase, offen oder heimlich nach einem neuen Umfeld zu suchen bin ich heraus.
Das Schöne daran: Ich kann meine Energie nun in den Ausbau und die Pflege stecken. Eine zusätzliche Ablage im Badezimmer, ein Formschnitt bei den Gehölzen im Garten. Ich kann Geld für einen Teich sparen, ich habe Zeit, den Kontakt mit den Freunden zu intensivieren. Dafür brauche ich auch im Kopf keinen Umzugskarton, im Gegenteil stört er nur, wenn ich bei Gesprächen in persönliche Tiefen hinabsteigen möchte. Vielleicht ist das die Verbindung zur heutzutage so oft zitierten Nachhaltigkeit, wenn man bei seinen Handlungen nicht schon in Gedanken beim Aus- oder Umzug ist, sondern auch langfristig am Leben seines Umfeldes teilnimmt.
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