Als meine Tochter noch ein kleines Kind war, waren wir oft gemeinsam im Garten. Ein Pflänzchen hier, ein Blümchen da und abgesehen von Pflege und Schneiden auch ein wenig Freude an der Natur. Und was man da so alles zu sehen bekommt. Mal ist es eine Schnecke, die sich über die Geranien hermacht, mal ist es ein Regenwurm, der aus dem Pflanzloch herauskrabbelt.
Zusätzlich kamen dann noch allerlei Insekten geflogen, Fliegen und Bienen, Mücken und Wespen. Und dann haben wir uns über die Tiere unterhalten, ich habe von ihren Eigenschaften erzählt so gut ich konnte und erläutert, welchen Platz sie in unserem Ökosystem einnehmen. Zentrale Botschaft war immer, dass auch diese kleinen Lebewesen eine wichtige Funktion haben und insgesamt unentbehrlich sind.
Auch die schleimigen Schnecken, die picksenden Mücken und die lästig um den Kopf herumschwirrenden Fliegen brauchen wir und sie sind nützliche Tierchen. Was meine Tochter im Laufe der Zeit dann so verinnerlicht hatte, dass sie bei neuen Entdeckungen fast automatisch von mir wissen wollte „Sind das nützliche Tierchen?“ und ich meistens eine positive Antwort geben konnte.
Dieses Grundverständnis konnte sie ihren jungen Freundinnen und Freunden überhaupt nicht vermitteln. Jede Spinne musste impulsartig totgeschlagen, jeder Regenwurm von den Eltern entsorgt und jede Wespe voller Entsetzen getötet werden. Einfach nur, weil diese Tiere im falschen Moment am falschen Platz waren. Dass man damit deutlich entspannter umgehen könnte, einen Regenwurm tatsächlich auch mit der Hand anfassen und ihn rettend an eine andere Stelle im Garten transportieren könnte, das schien undenkbar.
Ob man jetzt jedes Tier und jeden Mitmenschen auf seine Nützlichkeit hin untersucht und einordnet oder es bei einem gewissen Respekt und angemessener Selbststeuerung bewenden lässt, sei mal dahingestellt. Aber die Erkenntnis, dass man sich auch Apathie einreden lassen kann und manche Reaktionen jeglicher Grundlage entbehren, das ist ein Verständnis, das nicht nur für die kleinen Tiere in der Gartenerde, sondern auch für die Menschen um uns herum gelten sollte.
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