Kaum zu fassen, wie klein der relevante Teil für den Leser ist. Da steht ein riesiger Monitor vor mir, beachtliche Auflösung mit Millionen von Bildpunkten, und er wird dazu verwendet um Verweise, diverse Werbung, bunte Bildchen anzuzeigen, zusätzlich oft auch viel Freifläche. Lächerliche 4,9 Prozent der gesamten Fläche sind am Ende nur noch für mich als Leser verfügbar, der Rest ist entbehrliche und lästige Beigabe.
Doch nein, die 95 Prozent sind ja nicht nur bunt lackiert, sie werden für die Generierung von Werbeeinnahmen genutzt, damit man den Artikel kostenfrei lesen kann. Und auf die heutigen Add-Blocker und Werbungsunterdrücker reagieren diese Seiten ziemlich verschnupft. Da wird das bisschen Inhalt auch noch ausgeblendet mit dem Hinweis, dass man doch bitte erst mal den Blocker ausschalten möge.
Natürlich, das wäre ja auch zu einfach gewesen. Und grundsätzlich klingt die Argumentation durchaus vernünftig. Da hat jemand etwas recherchiert, zusammengeschrieben, bebildert und einen messbaren Aufwand hineingesteckt und erwartet zu Recht eine Gegenleistung in Form einer adäquaten Bezahlung. Die in solchen Fällen gerne aus Werbeeinnahmen kommen kann. Doch das Verhältnis zwischen Nutzfläche und Zwangsrahmen ist dann doch erschreckend.
Ich stelle mir vor, das wäre auch im Fernsehen bei einem Spielfilm so. Dann würden pro Zeitstunde nur knapp 3 Minuten Film gezeigt, der Rest wäre irgendwelches Beiwerk in Form von Werbung, fremden Informationen oder sogar vorübergehendem Testbild. "Ja", wäre die Erklärung, "Sie können noch froh sein, dass wir das alles für Sie so fein organisieren. Ohne diese anderen Beiträge könnten Sie sich das Fernsehen gar nicht leisten, wären die Rundfunkbeiträge unbezahlbar und haben Sie mal darüber nachgedacht, was die Produktion von so einem Spielfilm kostet?"
Erschüttert stelle ich fest, dass ich ein Schnäppchen gemacht habe. Wohlmeinende Mitmenschen bieten mir hier zum Dumpingpreis eine ansonsten für mich unerschwingliche Leistung an und es ist ja wahr: Ich muss wachgerüttelt werden, weg von dieser Internet-ist-kostenlos-Mentalität. Und einer der Wege ist sicher das Erzwingen von Abos als Alternative zum 4,9-Prozent-Angebot.
Doch hupps, es gibt ja zu jeder technischen "Motivation" ein Gegenmittel. Ad-Blocker zum Beispiel. Viele von denen sind kostenlos und werden von den aufgerufenen Seiten erkannt. Einige kostenpflichtige sind wesentlich pfiffiger und machen ihren Job, ohne dass der Absender das merkt. Und wer geschickt ist, kann sich oft den gewünschten Inhalt auf eine separate Seite extrahieren lassen.
So oder so: Selbst seriöse Seiten ohne hinterliegende Abos oder andere absichtliche Lenkungsabsichten verschwenden den Bildschirmplatz. Immer größere Bildschirme, immer weniger real genutzte Fläche. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie die Seite auf einem alten 14-Zoll-Röhrenmonitor aussähe. Warum wird so verschwenderisch Platz verpulvert, werden Leerflächen spendiert, alles mit Menüs vollgestopft oder entbehrliche Bildchen präsentiert.
Jedenfalls freue ich mich, wenn dieses Schlüsselloch-Design in Richtung Scheunentor (zurück-) entwickelt wird und damit wieder das im Mittelpunkt steht, wofür eine Webseite doch da sein sollte: Präsentation von Inhalt.
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