Montag, 13. April 2026

Nicht für die Schule... (1): Jenseits der Chatbots

Bei einem Podcast kamen die beiden Gesprächspartner dieser Tage am altertümlichen Spruch von Seneca vorbei, in dem es um die Motivation von Lernen geht. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“

Vor rund zweitausend Jahren hat sich also ein römischer Philosoph schon zum Lernen, zu Schule und (späterem) Leben geäußert. Das ist insofern bemerkenswert, als in dieser Aussage gleich mehrere Aspekte stecken, die auch heute noch uneingeschränkt zutreffen.

Nicht für die Schule 1 - Jenseits der Chatbots

Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Technisierung, dem allgegenwärtigen Internet mit seinen Suchmöglichkeiten und den immer weiter voranschreitenden Unterstützungen durch Bots stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch lernen müssen. Egal, ob für die Schule oder für das Berufsleben, die Notwendigkeit für den Erwerb von Sprachkenntnissen, mathematischen Zusammenhängen, geschichtlichen Daten oder gar musischen Kompetenzen scheint nicht mehr zeitgemäß.

Die Entwicklung lässt sich schon seit einiger Zeit absehen, immer mehr Tätigkeiten erfordern tatsächlich nur noch Ansätze dieser Fähigkeiten. Sei es die Kassiererin, die Kopfrechnen von einem Kassensystem abgenommen bekommen hat, sei es die Sekretärin, deren Rechtschreibkenntnisse durch die Autokorrektur ersetzt werden. Wofür sollte man ein Musikinstrument beherrschen können, etwas über die Pflege eines Obstbaumes erfahren oder sich in Leichtathletik üben?

Erst mit erheblicher Verzögerung und im Laufe des Berufslebens kommt dann in vielen Fällen die Keule zurück. Ganz generell können wir erst mal festhalten, dass auch unser Denkapparat funktioniert wie ein Muskel, der trainiert werden kann und muss. Je mehr geistige Fähigkeiten wir uns aneignen, desto leichter wird der weitere Zuwachs. Das dritte Musikinstrument lernt sich leichter als das erste, gleiches gilt für Fremdsprachen oder technische Abläufe.

Dann ist auch die Einsetzbarkeit im Beruf auf Dauer von der Grundausbildung abhängig. Kreativität, Vielseitigkeit und Einfallsreichtum leben nicht nur von guter Vernetzung im Gehirn, sondern auch von einer möglichst breiten Grundausstattung an Daten. Ohne Kenntnis anderer Themenfelder keine Analogien möglich, ohne historische Kenntnisse kein Lernen aus Erfahrung (anderer Personen).

Schließlich ein Blick auf Alterungsprozesse. Nachlassende Denk- und Gedächtnisleistung lässt sich nicht grundsätzlich verhindern, aber die Frage ist, von welchem Niveau aus man startet. Wer vorher seinem Gehirn nur die nötigsten Gedankengänge abverlangt hat, bei dem ist bei halbierter Leistungsfähigkeit kaum noch etwas übrig. Gilt sinngemäß auch für körperliche Fitness.


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