Montag, 2. Mai 2022

Guten Abend

Es wird Zeit, die Arbeit zu beenden und in den Feierabend überzugehen. Aber warum mache ich das nicht? Eine Notiz hier, eine Mail beantworten da, kurz noch mal etwas nachschlagen. Und dann ist wieder eine Stunde herum. „Du musst an Deiner Selbstdisziplin arbeiten“, raten mir die Kollegen. Das ist sicher ein guter Ansatz, ich wundere mich nur, warum ich früher genug davon hatte. Dann die Erleuchtung: Es ist gar nicht die abnehmende Selbstdisziplin, sondern die steigende Arbeitslast. Wer sich von innen heraus schwer tut ‚Nein‘ zu sagen, der wird immer mehr zum Opfer der systematischen Überlastung. Und wenn dann noch Glaubenssätze („Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“) dazukommen, gerät man in eine ernst zu nehmende Zwickmühle.

Übrigens helfen schon recht kleine Tricks, die Entscheidung zum Abschluss der Tagesarbeit nicht herauszuschieben. Ein regelmäßig zu besuchender Sportkurs ist da ebenso nützlich wie die Verabredung zu Hilfe oder Pflege eines Mitmenschen (der sonst auf mich wartet). Oder eine Zeitschaltuhr, die nach kurzer Vorwarnung meinen Computer herunterfährt. Oder ein Zug, der mich nach Hause bringt (an dieser Stelle ist Homeoffice kontraproduktiv).

Sicher gibt es noch mehr Ansätze, Einfälle, kleine Planungen, die bei der Selbstdisziplin unterstützen. Manchmal ist es eben nicht nur der „innere Schweinehund“, der überwunden werden muss, sondern die „innere Katze“, die gestreichelt werden will.

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Montag, 25. April 2022

Die Leute reden miteinander

„Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, aber…“ ist bei Rüdiger Hoffmann oft die Einleitung zu seinen Berichten und Erzählungen. Nennen wir es mal peinlichen Klatsch. Und davon gibt es ja reichlich zu hören, zu kommentieren und natürlich auch weiterzugeben. Nicht ohne die eigene Meinung hinzuzugeben, die persönliche Perspektive einfließen zu lassen und so ganz nebenbei eine Botschaft unterzubringen.

Doch Hallo! Was man selbst so gerne mitmacht, das machen die Anderen auch, vielleicht sogar noch viel geschickter. Die Leute reden miteinander, die guten und schlechten Aktionen werden nicht nur wahrgenommen, sondern auch unkontrollierbar herumerzählt. Mit gewissem Aufwand und Hartnäckigkeit kann man sich einen guten Ruf erarbeiten, doch durch ungeschickte Aktionen auch sehr leicht kaputt machen.

Überall, wo Menschen zusammenkommen gibt es Austausch, sei es über Kunden, Freunde, Bekannte oder auch Erfahrung mit Unternehmen und deren Produkte. Und was ich von einer Person erzählt bekomme, wird menschentypisch viel höher geschätzt, als eine anonyme, vielleicht aber objektivere Meinung. Was sich da möglicherweise zusammenbraut – sei es ein Urteil über eine Person oder über ein Unternehmen – das ist oft schwierig herauszubekommen.

Letztlich ist natürlich im Einzelfall zu entscheiden, ob man sich mit diesem verdeckten Feedback auseinandersetzt. Aber es ist wie beim Vogel Strauß: Man kann den Kopf in den Sand stecken, aber dadurch wird man nicht unsichtbar.

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Montag, 11. April 2022

Lob unter der Kommunikationslupe

Ich habe mal ein bisschen bei Friedemann Schulz von Thun geblättert und mich gefragt, was er wohl zu positivem Feedback – landläufig auch Lob genannt – sagen würde.

Nehmen wir an, ich gehe auf einen Kollegen zu und klopfe ihm verbal auf die Schulter, weil er einen Computerfehler zügig behoben hat. Dann ist das zunächst einmal die Darstellung der Situation, schließlich arbeitet der Computer durch seine Maßnahme jetzt wieder fehlerfrei.

Aber natürlich sage ich dabei auch etwas über mich, denn ich habe nicht nur mitbekommen, dass das Gerät jetzt wieder läuft, sondern teile nebenbei mit, dass ich ein aufmerksamer Mensch bin und die gute und schnelle Arbeit meines Kollegen zu schätzen weiß.

Drittens enthält das Lob noch eine Aussage über unsere Beziehung, ich gebe zu erkennen, dass ich meinen Kollegen als Menschen und insbesondere als Teammitglied schätze. Der rein technische Aspekt der Sache geht in eine emotionale Komponente über.

Und zum Schluss bleibt noch der Appell, es auch beim nächsten Mal wieder so gut zu machen.

Soweit also die Überlegungen zur Kommunikation und ihren vier Seiten. An dieser Stelle möchte ich die Analyse noch um eine weitere Dimension ergänzen, nämlich die Motivation. Tatsächlich kann es verschiedene Gründe haben, warum ich ein positives Feedback abgebe. Im Idealfall ist das Lob selbstlos, dient also keinem von mir verfolgten Ziel. Ich lobe, weil es für mich als Reaktion auf eine positiv beendete Maßnahme dazugehört.

Zweite Möglichkeit ist ein gewisser Eigennutz, will ich doch mein Gegenüber positiv stimmen und unsere Beziehung persönlicher gestalten. Sollte sich eine ähnliche Situation in Zukunft wiederholen, kann ich nach dieser Aktion (eher) auf ihn zählen.

Doch auch im Sinne eines gesteuerten Feedbacks und damit Bestätigung der Richtung ist die ausgesprochene Wertschätzung einer Leistung nutzbar. Sie dient in diesem Fall als Führungsinstrument.

Gar nicht selten, viertens, das Lob als Ersatz für andere Anerkennung. Da eine Gehaltserhöhung nicht möglich ist, muss ich einen guten Mitarbeiter anderweitig bei der Stange halten. Ein paar warme Worte kosten nichts, schmeicheln ihm und lenken von der kostenpflichtigen Prämierung ab.

Ergänzend zu Kommunikation und Motivation sollte man auch die Betrachtung der hierarchischen Verhältnisse im Auge behalten. Ist der Feedbackgeber auf niedrigerer Ebene als der Feedbacknehmer unterwegs, dann gerät positives Feedback oft leicht in den Verdacht des Einschleimens. Und in anderer Richtung – also von oben herab – bekommt es leicht etwas Gönnerhaftes. Wenngleich Lob nicht nur ein ausgezeichnetes Führungsinstrument ist, sondern sich gleichzeitig auch positiv auf die Betriebsatmosphäre und damit letztlich auf die Performance auswirkt.

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Montag, 4. April 2022

Die Welt ist nicht so einfach

Dieser Tage erhielt ich als Replik auf einen Verbesserungsvorschlag, dass die Welt nicht so einfach sei. Moment, so mein erster Gedanke, habe ich meinen eigenen steten Hinweis auf allgegenwärtige Komplexität hier Lügen gestraft? Bin ich mir gar selbst ins Netz gegangen und habe die miteinander verwobenen Einflussfaktoren unterschätzt? Doch dann die rettende Erkenntnis, dass gerade bei der Handhabung komplexer Systeme nur vereinfachende Modelle und strukturiertes Herumprobieren weiterhelfen.

Nicht ohne Grund lebt die Naturwissenschaft sehr gut mit der Betrachtung von Modellen. Vereinfachte Annahmen, Reduzierung der beschreibenden Parameter und Vernachlässigung geringerer Einflussfaktoren bilden die Grundlage. Für das Herunterfallen eines Gegenstandes ist es in der Praxis irrelevant, ob wir uns auf dem Erdboden oder im 50sten Stockwerk eines Gebäudes befinden – auch wenn die Theorie (und auch die Messpraxis) aussagt, dass die Erdanziehung unterschiedlich ausfällt.

Ähnlich auch bei zu vielen Einzelteilchen. Für pneumatische Untersuchungen ist die Bewegung einzelner Gasteilchen herzlich uninteressant. Erst die Gesamtheit der Teilchen sorgt für erfahrbare Eigenschaften wie den Druck. Auch hier ist das Ursprungssystem mit seiner extrem großen Anzahl einzelner Bewegungen nicht beschreibbar, aber die Welt des Gasdruckes dann doch recht einfach in Formeln zu fassen.

Also nur Mut. Wir können uns ein Vorbild an Kindern nehmen, die uns Erwachsene bei komplizierten oder gar komplexen Systemen Erläuterungen abverlangen, die auch in ein junges Weltbild passen. Ein Weltbild, das (noch) gar nicht so kompliziert ist. Und die uns „warum?“ und – besonders wichtig bei Innovationen – „warum eigentlich nicht?“ fragen.

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Montag, 28. März 2022

Neue Zeiten (The New Normal)

Schon bevor ich die Augen aufmache, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Blick auf den alten Wecker: Viertel vor sieben – und die Funkuhr: Viertel vor acht. Ach Herrje, der Wecker hatte nicht geklingelt, konnte er ja auch noch gar nicht, für ihn war es noch zu früh. Aber über Nacht hatte sich die Zeit geändert – Sommerzeit – und damit fehlt mir jetzt eine Stunde.

Ich springe aus dem Bett, es ist Sonntag, es ist Sommerzeit, aber ich bin nachher mit einem Verkäufer verabredet. Jetzt muss ich Gas geben, laufe rüber ins Bad, wo ist denn nur der Aufsatz für die Zahnbürste, ich lange mit der Hand in den Badezimmerschrank und schnappe mir den Rasierapparat, während ich die Zahnpasta greife, jetzt fehlt die dritte Hand für die Bürste und während der Rasierapparat losbrummt kann ich auch mit dem Reinigen der Zähne beginnen. So halbwegs fertig rüber zur Dusche, schon mal aufdrehen, Shampoo, wo bist Du, noch kalt, aber in einigen Augenblicken, ich gurgle kurz mit dem Zahnspülwasser, das Handtuch nicht vergessen und unter den noch kalten Strahl, brrr.

Mit Schwung weiter, jetzt nicht ausrutschen oder andere Pannen, die Jeans von gestern kann ich noch mal anziehen, aber Unterwäsche und hätte ich mir doch zwischendurch schon mal einen Kaffee gemacht, gleich wenn ich aus dem Haus gehe den Schlüssel nicht vergessen und das Geld, wenn wir ins Geschäft kommen, habe ich die Adresse eigentlich irgendwo zur Hand, brauche ich Packmaterial oder einen Spanngurt. Noch stehe ich im Bad und trockne mich ab, Deo, soviel Zeit muss sein und jetzt aber zum Kleiderschrank oder doch besser jetzt die Kaffeemaschine starten, wieder ins Schlafzimmer, Hose an, Schuhe, Kaffee, Kühlschrank, Tupper für unterwegs mit Obst. 

Habe ich wirklich an alles gedacht, Jacke aus der Garderobe, Geldbörse, jetzt klingelt auch noch das Telefon. Verschlafen eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Es ist der Verkäufer, es täte ihm Leid, aber durch die Sommerzeit-Umstellung hätte er verschlafen, ich solle mir bitte Zeit lassen.

Oh Gott, das muss es sein, das vielbeschworene New Normal.

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Montag, 21. März 2022

Müssten wir es nicht besser wissen?

Mein Pazifismus ist instinktiver Natur - ein Gefühl, von dem ich besessen bin. Der Gedanke des Mordes an einem menschlichen Wesen erfüllt mich mit Abscheu. Meine Haltung ist nicht von intellektueller Theorie, sondern von einem tiefen Widerwillen gegenüber jeglicher Art von Grausamkeit und Hass motiviert.


Where have all the soldiers gone? Gone to graveyards every one

You lie and deceive / A world war can be won /  You want me to believe

Through the flames and through the fire / Cities burn / We don't give a damn

We're fools to make war / On our brothers in arms

We make all of our suns the same / Every one will suffer the fire we've made / They all explode just the same

War, what is it good for - Absolutely nothing, listen to me / Oh, war, I despise / 'Cause it means destruction of innocent lives

She collapsed with a flag in her hand / A flag white as snow / A hero of war / Is that what they see

Mama, mama, mama, tell us what the hell is goin' on / Can't we all just get along? / Father, Father, Father help us / Send some guidance from above

How many times must the cannonballs fly, before they're forever banned?

Take me to the magic of the moment / On a glory night / Where the children of tomorrow dream away / In the wind of change

Imagine there's no countries, it isn't hard to do, nothing to kill or die for

All we are saying is give peace a chance.

Thanks to: Albert Einstein, Pete Seeger, Bob Dylan, The Temptations, John Lennon, U2, Dire Straits, Scorpions, Fleetwood Mac, Black Eyed Peas, Rise Against.

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Montag, 14. März 2022

Jahrmarkt der Gedanken

Vor Corona gab es von Zeit zu Zeit Jahrmärkte, auf denen war richtig was los. Nicht ohne Grund auch als „Rummel“ bezeichnet, drängten sich Menschenmengen durch enge Gassen zwischen den diversen Buden. Links Schießstände, rechts Würstchenanbieter, Schausteller und Fahrgeschäfte mit wummernder Musik. Ein Cocktail aus Sinneseindrücken, Geräuschen, Gerüchen, Geschupse und Gedränge. Und nachher konnte man gar nicht mehr so ganz genau sagen, was man in diesem Trubel gesehen und erlebt hatte.

Ähnlich sieht es an manchen Tagen auch zu Feierabend in meinem Kopf aus. Da bin ich durch den Strom der Aufgaben gedrängt worden, zwischendurch mal kurz ein Blick auf andere Themen. Da gibt es gelegentlich vielleicht mal eine Erfrischung, ansonsten jagt aber eine Sitzung die andere und am Ende kann ich gar nicht rekapitulieren, welche Arbeiten ich erledigt, angefangen oder nur aufgetragen bekommen habe.

Nun ist das menschliche Gehirn ja sehr leistungsfähig und nimmt zum Beispiel auch Abwechslung dankbar auf, ist aber von Grund auf zur Weiterentwicklung routinierter Abläufe optimiert. Und genau da kommt der moderne Arbeitsalltag uns in die Quere. Ein Jahrmarkt ist nun mal eben gerade keine Routine, vielmehr ist er (in seiner jährlichen Ausprägung) als singuläres Erlebnis gedacht. Wer wollte schon täglich an Buden vorbeigeschoben und auf exotischen Geräten Zentrifugal- und Erdanziehungskräften ausgesetzt sein?

Doch im Büro beginnen meine Gedanken zu kreisen, manche fliegen sogar aus der Bahn, mir wird schwindelig wie auf einem Karussell und Wichtiges vermischt sich mit Unwichtigem zu einer klebrigen Melange. Da strömen Anforderungen aus verschiedenen Nachbarabteilungen auf mich ein, Gewinne-Gewinne-Gewinne, und von diversen Seiten werden sensationelle Entwicklungen dargestellt, die ich nicht verpassen darf.

Doch wie jeder Trubel geht auch der Arbeitstag irgendwann zu Ende. Durchschnaufen, zur Ruhe kommen und sich die Zeit nehmen, den Tag noch mal an sich vorbeiziehen zu lassen. Und dabei nicht nur die spektakulären Ereignisse würdigen, sondern auch die kleinen und schönen Szenen, in denen man einen Fortschritt erzielt oder mit einem netten Kollegen telefoniert hat.

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